Interview mit Dr. Patrick Killmaier

Dr. Patrick Killmaier ist der ärztliche Leiter des neuen Gesundheitszentrums Mariazell, das am 1. Oktober 2016 seinen Betrieb aufnehmen wird. Bei einem Informationsabend am 15. September wurde die Bevölkerung über die neue Art der Gesundheitsversorgung im Mariazellerland informiert. Dennoch sind dabei einige Fragen offen geblieben – und teilweise brodelte in den letzten Tagen die Gerüchteküche.

Mariazell Online durfte mit Dr. Killmaier das nachfolgende Interview führen. Wir bekamen dabei aus erster Hand einige wesentliche Fragen beantwortet.

 

Dr. Patrick Killmaier

 

Sehr geehrter Herr Dr. Killmaier, nach dem Informationsabend im Raiffeisensaal blieb bei manchem Zuhörer der Eindruck, das ganze Paket, dass uns da präsentiert wurde, ist doch in Wirklichkeit viel zu schön, um wahr zu sein.

Wo ist denn der Benefit für die KAGes – und wo ist der Haken an der Geschichte?

Das größte Problem für ein Krankenhaus ist die Organisation der Ärzte. Die Arbeitszeiten, die Vorschriften, der Mangel an Ärzten – das ist aber kein Mariazell-Problem, das ist leider mittlerweile überall so, sei es Stadt oder Land. Es ist mittlerweile wirklich schwierig die jungen Kollegen nach ihrer Ausbildung in Österreich zu halten.

Durch die Exekution des Arbeitszeitgesetzes wird es überdies zunehmend schwieriger für Krankenhausbetreiber, 24-Stunden Dienste ausreichend zu besetzen. Dies gilt insbesonders für kleinere Häuser wie zum Beispiel jenes in Mariazell.

 In unserem konkreten Modell ist das Gesundheitszentrum nunmehr von wechselnden Ärzten während Zehn-Stunden-Schichten sechs Tage pro Woche besetzt. Außerdem sind diese Ärzte im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der KAGes selbstständig tätig.

Die KAGes stellt uns mit dem Personal und der Gerätschaft die erforderliche Infrastruktur zur Verfügung. Das ganze Projekt firmiert unter der KAGes, auch am Briefkopf wird das Logo der KAGes präsent sein. Das wollten wir in der Vereinbarung ganz bewusst so haben, denn es soll transparent sein, dass dies ein KAGes Haus ist.

 

Das bedeutet, die KAGes kommt für die gesamten Betriebs- und Personalkosten, etc. auf?

Genau – im Gegensatz zur öffentlichen Meinung bin ich weder dafür zuständig, wer hier arbeitet oder wieviel er arbeitet, wer eingestellt oder gekündigt wird. Ich brauche einen gewissen Grundstock an qualifiziertem Personal, und den bekomme ich von der KAGes zur Verfügung gestellt.

 

Aha, und deshalb kann die KAGes auch den Fortbestand der Arbeitsplätze des Personals garantieren, weil diese Leute weiterhin für die KAGes arbeiten und auch von der KAGes beschäftigt und bezahlt werden?

Genau, nur wird es innerhalb der KAGes mit Sicherheit Umschichtungen geben müssen, denn einige Positionen werden durch die Umstrukturierung nunmehr nicht im bisherigem Ausmaß benötigt.

Die Verwaltung wird sich mit Sicherheit verkleinern, denn das lässt sich auch mit geringerem  Personalaufwand bewältigen. Somit werden auch einige Leute innerhalb der KAGes in anderen Häusern in Bruck, Mürzzuschlag oder anderswo untergebracht. Das ist nicht angenehm, aber nachvollziehbar.

Die KAGes ist und bleibt der Dienstgeber für das nicht ärztliche Personal, und auch wir Ärzte müssen unsere Stunden gegenüber der KAGes wie vereinbart erfüllen.

 

Das heißt, der Patient kommt, steckt die E-Card, und für die Behandlung bekommt jetzt WER den dafür definierten Honorarsatz bezahlt?

Die Kasse zahlt für die erbrachte Leistung an die KAGes, wobei aber die Kassen mit der KAGes einen eigens vereinbarten Tarif haben, dieser unterscheidet sich vom Tarif, den ein Hausarzt bekommt. Die KAGes wiederum bezahlt dann ein Honorar an die Ärztegemeinschaft in Form einer Pauschale.

Das Haus läuft bei der KAGes weiterhin unter dem Krankenanstaltenverbund Mariazell-Mürzzuschlag. Die Führungspersonen bleiben die Gleichen wie vorher, das soll der Bevölkerung die Kontinuität gewährleisten. Und das funktioniert auch gut, da muss ich mich auch bedanken.

Wir bekommen jetzt beispielsweise ein neues Ultraschallgerät, was angesichts der angespannten Budgetsituation nicht selbstverständlich ist.

Die KAGes versucht, in der Steiermark wirtschaftlich zu arbeiten. Das ist vernünftig und gut. Wir haben den Auftrag, der KAGes darüber Rechenschaft abzulegen, was wir hier tun, und wie gut wir das tun. Das wird regelmäßig evaluiert und beurteilt. Das Modell muss sich bewähren und wird allein wegen der Einzigartigkeit auch von vielen Seiten sehr genau beobachtet. Schon jetzt herrscht reges Interesse daran und wir sind mit diesem Projekt extrem in den Fokus geraten.

Diese ständige Beobachtung und Beurteilung ist einerseits extrem spannend, bringt aber auch einen hohen Leistungsdruck mit sich.

 

Zusammenfassend kann man also sagen: Die KAGes betreibt das Haus weiter wie gehabt, nur mit ausgedehnten Öffnungszeiten auf 60 Stunden pro Woche, und bedient sich, um das Haus ärztlich zu versorgen einer ausgelagerten Gruppe von selbstständig tätigen Ärzten, die zu einem Pauschalpreis die ärztliche Arbeit hier übernimmt. Die anderen Aufgaben wie Administration, Reinigung, Wartung und Instandhaltung, darum kümmert sich die KAGes, die Betriebskosten wie Strom oder Heizung sowie auch das Gebäude und die Räumlichkeiten werden ebenso von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellt?

Richtig.

 

Beim Informationsabend wurde auch das Problem der Transportlogistik angesprochen. Derzeit muss ja nach Vorschrift von der Rettung immer das nächstgelegene Krankenhaus angefahren werden. Jetzt ist Mariazell ja ab 1. Oktober kein Krankenhaus. Wie läuft das dann künftig ab? Wird von der Rettung weiterhin Mariazell als erstes Ziel angefahren, auch wenn klar ist, dass der Patient eigentlich in ein „richtiges Krankenhaus“ gebracht werden sollte?

Warum sollte ein Patient denn nicht hierher gebracht werden? Hier können wir zuerst die Schmerzen lindern, professionell erstversorgen und dann je nach Diagnose und unserem Ermessen Patienten ambulant behandeln und nach Hause schicken oder den Weitertransport zur richtigen Stelle veranlassen. Das ist auch Rettungsgesetz. Der Patient ist erstversorgt und es kann aus ärztlicher Sicht beurteilt werden, ob der Patient transportfähig ist oder womöglich das Risiko besteht, dass er den Transport nicht unbeschadet übersteht. Wir haben hier wirklich lange Wege, und diese sollte man nicht unvorbereitet riskieren.

Und jetzt kommt aber die Zeit nach 19 Uhr ins Spiel. Es ist wichtig, dass der Notarzt oder der Visitenarzt den Patienten vorher beurteilt, feststellt ob ein Transport ratsam ist und wohin dieser erfolgen soll. Und genauso ermittelt das auch der Telefonarzt in Form eines Abfrageschemas, was zu tun ist. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass der Telefonarzt den Patienten nicht wirklich zu Gesicht bekommt. Er muss daher nach einem schematischen Fragebogen vorgehen, um ein möglichst genaues Bild vom Zustand des Patienten zu bekommen. Das System des Telefonarztes ist ja nicht neu, das gibt es in NÖ schon seit einigen Jahren.

 

Schon jetzt hebt an der 141 ja auch immer jemand ab – ist das jetzt schon der Telefonarzt? Ein Anruf dort ist derzeit ja lediglich so informativ wie ein Telefonbuch – man bekommt die Nummer des diensthabenden Arztes genannt und mehr nicht.

Es hebt dort auch jetzt bereits jemand ab, aber ab 1. Oktober ist vorgesehen, dieses vordefinierte Abfrageschema zu verwenden. Der Telefonarzt muss diesen Fragebogen nutzen, um aus dem Gespräch systematisch die wesentlichen und wirklich wichtigen Informationen möglichst schnell zu erhalten. Das funktioniert, das ist keine neue Erfindung. Wenn ein aufgeregter Anrufer frei erzählt, dauert es zu lange, die relevanten Informationen über den Zustand des Patienten klarzustellen.

 

Wäre es nicht vordergründig einmal wichtig, dass der Patient weiß, wo er überhaupt anrufen soll? Mit einem abgetrennten Bein wird der Fragebogen beim Telefonarzt wohl nicht zum Ziel führen. Da ist doch der Telefonarzt eigentlich der falsche Ansprechpartner, oder?

Richtig, Da sollte der Patient gleich den Notarzt unter 144 anrufen. Das ist noch besser zu kommunizieren, welche Nummer in welchen Fällen anzurufen ist. Wobei, wenn ein Patient mit einem abtrennten Bein bei 141 anruft, dann wird auch dem Telefonarzt spätestens bei der zweiten Frage klar, was zu tun ist. Somit dauert die Befragung nicht mehr lange, es fährt der Notarzt hin. Das wird vom Telefonarzt sofort veranlasst. Aus dieser Sicht ist ein Anruf bei 141 nie der falsche Weg.

 

Gut, sprechen wir noch einmal über die Arbeit hier im Haus. Was wird hier künftig alles abgedeckt? Dass hier niemand einen Blinddarm operieren wird, ist klar, aber welches Leistungsspektrum soll hier erfüllt werden?

Wir bieten die kleine Unfallchirurgie an, also Wundversorgung und alles was zu nähen ist, das sollte hier stattfinden. Das geht bis zu Sehnenverletzungen, so etwas kann man auch im ambulanten Betrieb gut versorgen. Außerdem wird auch die innere Medizin mit ihren Basisfragestellungen Berücksichtigung finden. Somit wird das Spektrum einer Erstversorgungseinheit mit erweiterter Grunddiagnostik geboten.

 

Das bezieht sich aber nur auf Unfälle, nicht auf geplante Operationen?

Es ist gut möglich, dass im Rahmen von Begutachtungen beispielsweise festgestellt wird, dass eine kleine Hautveränderung behandelt oder entfernt werden sollte. Dies kann dann auch im GZ Mariazell erfolgen.

 

Sie betreiben ja auch eine Wahlarztpraxis, also ohne Kassenvertrag, in Türnitz. Der Patient bekommt einen Kostenvoranschlag und entscheidet dann, ob er sich die Behandlung leisten will oder nicht. Theoretisch untergräbt ja diese neue Einrichtung hier die Wirtschaftlichkeit sowohl ihrer eigenen als auch jeder anderen Wahlarztpraxis, oder?

Ich weiß, das ist für mich rein kaufmännisch gesehen ein ziemlicher Schwachsinn. Den wenigen Mariazellern, die bisher zu mir nach Türnitz fuhren, habe ich vermittelt, sie sollen im Oktober nunmehr in das GZ Mariazell kommen. Als Arzt habe ich in erster Linie eine Verpflichtung meinen Patienten gegenüber – und diese ersparen sich künftig den Weg über die Berge, wenn sie meine Dienste in Anspruch nehmen wollen. Und die Türnitzer, die meine Dienste in Anspruch nehmen, werden mir in meiner Praxis in Türnitz erhalten bleiben, davon gehe ich aus.

 

Sie denken also nicht, dass durch dieses System den niedergelassenen Ärzten die wirtschaftliche Existenzgrundlage genommen oder zumindest geschmälert wird und damit auch eine ohnehin schon schwierige Ansiedlung von Nachfolgern zusätzlich erschwert wird? 

Unser Projekt soll keine Konkurrenz für die Ärzte der Region darstellen, sondern eher eine Art sanfte Überleitung für die Patienten. Eine Überleitung in ein System, das durch die Pensionierungen der Hausärzte notwendig werden wird, wie auch immer dieses neue System letztendlich auszusehen hat.

Für Nachfolger und Neuansiedlungen wird es dadurch nicht schwieriger, nein, im Gegenteil. Dieses Projekt hier ist vorerst auf etwas mehr als drei Jahre, bis Ende 2019 anberaumt. Das dürfte in etwa mit dem Pensionsantritt der ortsansässigen Praktiker zusammenfallen. Dann braucht es Nachfolger, die diese Lücke auszufüllen imstande sind.

Es ist für einen jungen Arzt sicher mehr Anreiz, in eine Gruppenpraxis einzusteigen, weil dort einfach bessere Arbeitsbedingungen gegeben sind. Die drei Hausärzte der Region leisten hervorragende Arbeit, aber sie arbeiten derzeit sehr viel, sind ständig erreichbar, tragen ihren Arztkoffer immer mit sich herum, sind allzeit in Bereitschaft und erhalten dafür aber nur eine relativ bescheidene Abgeltung – das ist für einen jungen Arzt nicht erstrebenswert. Diesen Idealismus gibt es nur mehr sehr selten.

Die drei Ärzte hier, Huemer, Surböck und Zach, sind noch solche Idealisten und somit gewissermaßen auch Vorbild für mein ärztliches Handeln. Freunde oder Kollegen fragen mich oft „wieso schaltest du dein Handy nicht aus?“ Nein, ich will für meine Patienten erreichbar sein, wenn sie mich brauchen, das ist mein Verständnis der Arbeit als Arzt. Ich persönlich mache das gern und habe Freude daran. Ein jüngerer Arzt hat diesbezüglich aber zumeist völlig andere Vorstellungen.

Die Idee ist es daher, dieses Projekt nach Ablauf dieser drei Jahre letztendlich in eine Gruppenpraxis münden zu lassen, wobei die Gestalt dieses Konstruktes noch Gegenstand vieler Verhandlungen zwischen Politik, Kassen und ärztlicher Interessensvertretung sein wird.

Der Arzt als Einzelkämpfer ist für viele jüngere Kollegen einfach keine Zukunftsperspektive, denn er arbeitet oftmals 60 Stunden und mehr pro Woche für seine Praxis. Hinzu kommen oftmals noch Notdienste und Bereitschaften, mit in unserer Gegend oftmals ausufernden Visiten. Das tut sich fast niemand mehr an, das ist absehbar und es ist klug und wichtig, dem jetzt bereits entgegenzusteuern.

Eine Kassenstelle im Mariazellerland muss zukünftig wahrscheinlich subventioniert werden, damit es sich für den Arzt wirtschaftlich überhaupt ausgeht. Der langfristige Gedanke zielt darauf ab, dass sich das Land mit dieser Infrastruktur und der Immobilie an der Wirtschaftlichkeit einer Kassenarztstelle beteiligt. Dies soll sicherstellen, dass es für die Praktiker langfristig eine wirtschaftliche Grundlage und eine Zukunftsperspektive in Mariazell gibt.

 

Am Podium saßen am Donnerstag lediglich die Vertreter der GKK – trifft diese Regelung auch für die anderen Sozialversicherungen wie jene der Bauern, Beamten oder Selbstständigen zu?

Das sind die geringsten Probleme. In der ersten Ausbaustufe ist das jetzt ohnehin noch kein Thema. Diese erste Ausbaustufe wird von der KAGes finanziert, und die KAGes hat meines Wissens Verträge mit allen Kassen.

 

Zurück zum Spektrum der angebotenen Leistungen. Die kleine Unfallchirurgie haben sie vorhin schon erwähnt. Aber da gibt es ja sicher noch weitere Punkte in diesem Leistungskatalog, die von ihnen und ihrem Team erfüllt werden müssen bzw. im Lauf der kommenden drei Jahre zu realisieren sind. Die Rede war ja auch von den medizinischen Umfeldbehandlungen wie Physiotherapie, psychologische Beratungen, und vielem mehr. Dafür sind ja auch Qualifikationen und Ausbildungen erforderlich, können diese von ihrem Team tatsächlich alle abgedeckt werden?

Diese Zusatzangebote, die besondere Qualifikationen erfordern, können und dürfen natürlich nur von entsprechend ausgebildeten und qualifizierten Medizinern oder Therapeuten durchgeführt werden.

Was Leistungen wie Physiotherapie u. dgl. anbelangt, so werden wir hier in Mariazell zunächst mit freiberuflich tätigen Therapeuten an vereinbarten Tagen kooperieren. Diesbezüglich wird wie gewohnt eine Verordnung vom betreuenden Hausarzt nach Bewilligung durch die zuständige Kasse dafür verwendet.

Im Allgemeinen ist dies so, dass freiberufliche Physiotherapeuten oder dgl. für ihre Leistungen Honorarnoten erlegen, die dann bei der Kasse einzureichen sind. Wenn der Bedarf gegeben ist und sich das Projekt positiv entwickelt, dann kann man hier Stellen schaffen, auch für Einheimische die derzeit auswärts arbeiten. Zuerst vielleicht nur stundenweise, aber in weiterer Folge ist das eine echte Chance, jungen und motivierten Leuten aus den verschiedensten medizinischen Berufsgruppen einen attraktiven Arbeitsplatz in der Heimat anzubieten. Verbunden auch mit allen Vorteilen für die Patienten.

Was die psychologischen Beratungen anbelangt, so besteht eine Kooperation mit den psychosozialen Diensten Bruck/Mur-Mürzzuschlag.

 

Bei 12 Stunden Arbeitszeit eines Arztes wird ja mindestens die Hälfte für Dokumentation und Administration verwendet werden müssen, Dokumentation, die ja speziell im Gesundheitsbereich bekanntlich enorm ausufernd ist. Sollte ab 1. Oktober ein Ansturm einsetzen, wie und wann werden sie diesen ganzen Papierkram bewältigen?

Die Administration und Verrechnung erfolgt zur Gänze durch Mitarbeiter der KAGes. Meine administrative Arbeit beschränkt sich rein auf die medizinische Dokumentation, somit ist der Aufwand überschaubar. Sie haben recht, natürlich kann man den Ansturm nicht abschätzen. Aber ich habe am 1. und 2. Oktober selber Dienst, und auch Fr. Dr. Griessler wird da sein, somit werden wir das auf jeden Fall bewältigen können. Und im Oktober wird man auch sehen, wie groß der Andrang tatsächlich ist. Auch wird da erst erhoben, wie hoch der Bedarf an medizinischen Umfeldleistungen sein wird.

 

Abschließend noch einmal die Frage – wo ist der tatsächliche Benefit für die KAGes als Betreiber?

Für die KAGes wird es vermutlich billiger.

 

Das verstehe ich nicht. Derzeit ist 40 Stunden pro Woche geöffnet, ab Oktober 60 Stunden. Das Angebot wird um 50% gesteigert, das kann doch nicht billiger sein als vorher?

Wahrscheinlich schon, weil ja bisher auch in der Nacht ständig zwei Krankenschwestern und ein Arzt zu bezahlen waren.

 

Ja, aber die KAGes übernimmt ja das Personal, wurde behauptet. Auch wenn diese Krankenschwestern jetzt keinen Nachtdienst mehr machen, sie bleiben ja weiterhin auf der Lohnliste der KAGes. Diese Kosten werden ja nicht eingespart, oder?

Diese Posten sind vom Dienst her umverteilt worden. Der Nachtdienstzuschlag wird ab sofort eingespart, die angestellten Ärzte waren durch den Nachtdienst auch höher honoriert. Manche Leute werden innerhalb der KAGes umgeschichtet und somit ihrer Qualifikation entsprechend beschäftigt.

 

Aber beim Infoabend wurde doch zugesagt, dass niemand auspendeln wird müssen. Die wenigen Einzelfälle, die in einer Wortmeldung aus dem Publikum angesprochen wurden, wurde ja angeblich danach in Einzelgesprächen geklärt – zumindest wurde das dem Publikum vom Podium aus so angekündigt. Bleiben diese jetzt doch nicht hier?

Diese Leute wird die KAGes hier wahrscheinlich nicht alle unterbringen können. Diese Leute werden zwar im KAGes Verbund untergebracht, ja, aber sie werden möglicherweise pendeln müssen. Das bringt verständlicherweise Unmut mit sich, obwohl jedem hier in Wirklichkeit schon lange klar gewesen sein muss, dass der Betrieb und damit auch der Job in diesem Haus in dieser Form ein Ablaufdatum hatten. Das war leider absehbar.

Weiters ist bei der Belegschaft in näherer Zukunft mit einigen Pensionierungen zu rechnen, die dann auch nicht mehr nachbesetzt werden. Wäre die Struktur des Betriebs nicht verändert worden, dann hätte man diese Pensionierungen vermutlich aufgrund des internen Verteilungsschlüssels der KAGes nachbesetzen müssen. Jetzt können diese Dienstverhältnisse durch die neue Konstruktion ersatzlos auslaufen und auch diese Stellen abgebaut, somit Kosten eingespart werden.

Auch hier liegt der finanzielle Vorteil daher auf der Hand. Und ich sehe in dieser Lösung zusätzlich eine große Chance für die langfristige Absicherung der medizinischen Grundversorgung in der Region.

 

Aber ist denn der Gesundheitsbereich nicht viel zu sensibel für ein solches Experiment?

Zugegeben, es ist zwar ein Experiment, aber ein meiner Meinung nach sehr sicheres Experiment.

Das Projekt ist bis Ende 2019 ausfinanziert. Das ist bewilligt, vertraglich fixiert und abgesichert. Wir wissen, dass wir nun 39 Monate lang wöchentlich 60 Arztstunden an die KAGes zu leisten und zusätzlich die medizinischen Umfeldleistungen zu koordinieren haben, wir wissen aber auch, dass die KAGes nun 39 Monate lang das vereinbarte Honorar dafür zur Verfügung stellen und bezahlen wird. Das ist unterschrieben und sicher. Eine Kooperation zwischen der KAGes einerseits, die Personal und Infrastruktur stellt, und einer Gruppe von Ärzten andererseits, die die ärztlichen Leistungen erbringt, die Diensteinteilung organisiert und dafür ebenso einen Vertrag bis Ende 2019 auf freiberuflicher Basis mit der KAGes hat.

Wir werden unser Bestes geben, damit dieses Experiment, dieses Projekt funktioniert. Was wir hier machen ist Dienstleistung am höchsten Gut des Menschen – an der Gesundheit. Von dem ganzen Getue um Titel wie „der Herr Doktor, der Herr Primarius“ halte ich nicht viel. Eine Kommunikation auf Augenhöhe – das ist mein Ansatz. Auf dieser Basis erfahre ich auch viel mehr vom Patienten und kann ihm so auch besser helfen und die Qualität meiner Dienstleistung sicherstellen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

(Abkürzungen: KAGes = Krankenanstalten-Gesellschaft, GKK = Gebietskrankenkasse, GZ = Gesundheitszentrum)

 

Bericht: Mariazell-Online

Foto: Josef Kuss

 

 

4 Antworten

  1. Helga sagt:

    Hoffentlich wird das GZ von der Bevölkerung gut angenommen, damit
    klar wird daß tatsächlich Bedarf besteht.

  2. Petra sagt:

    Dieses Interview ist um vieles informativer und auch glaubwürdiger als der sogenannte Informationsabend, bei dem die anwesenden Politiker ein unwürdiges Schauspiel boten.

  3. tomanek irene sagt:

    Gratulation zu diesem tollen Projekt und viel Erfolg!
    Irene Romanen

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