Infoabend zum Gesundheitszentrum Mariazell

Massenansturm beim Infoabend zur Nachnutzung des ehemaligen LKH Mariazell

Ein prall gefüllter Raiffeisensaal beim Informationsabend zum Thema „Gesundheitsversorgung im Mariazellerland“ demonstrierte am 15. September 2016 eindrucksvoll das unfassbar große Interesse der Bevölkerung an der Zukunft des einstigen Landeskrankenhauses Mariazell. Bis ins Foyer hinaus stand das Publikum, um den Ausführungen der anwesenden Redner zu folgen und sich über die zukünftige ärztliche Versorgung der Region zu informieren.

 

Prominent besetztes Podium

Mit etwa 15 Minuten Verspätung begrüßte der amtierende Bürgermeister von Mariazell, Manfred Seebacher, den steirischen Gesundheitslandesrat Mag. Christopher Drexler, die Vertreter von KAGES, Gesundheitsfonds Steiermark, der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, der Ärztekammer und den „Kopf“ des neuen Gesundheitszentrums, Dr. Patrick Killmaier.

 

BGM Manfred Seebacher

 

Nach vorne blicken

Seebacher appellierte an das Publikum, Vergangenes nun endlich ruhen zu lassen und in die Zukunft zu schauen. Die ständigen gesetzlichen Änderungen im Gesundheitswesen wären größtenteils dafür verantwortlich gewesen, dass so manche Idee der vergangenen Jahre noch vor der Umsetzung bereits wieder verworfen werden musste. Aussagen und Anschuldigungen in Leserbriefen, die suggerierten, dass die Politik – und Seebacher im Speziellen – in den letzten Jahren untätig gewesen sei, wies der Bürgermeister aufs Schärfste zurück.

Seebacher bedankte sich bei den Anwesenden auf dem Podium, dankte aber auch den niedergelassenen Ärzten Dr. Huemer, Dr. Surböck und Dr. Zach für die Zusammenarbeit bei der Erarbeitung des nunmehrigen Projektes. Mit einer kleinen Gruppe von Ärzten rund um den jungen Notarzt Dr. Patrick Killmaier würde es nun gelingen, die Situation einer praxistauglichen Lösung zuzuführen und die medizinische Versorgung der Region auch für die Zukunft sicherzustellen. Killmaier und drei bis fünf weitere Notärzte werden das schaffen, so Seebacher.

 

Ein Pilotprojekt für ganz Österreich

Gesundheitslandesrat Drexler präsentierte dann das Konzept, das österreichweit einzigartig ist und als Pilotprojekt und Vorbildlösung für ganz Österreich gelten könne, wenn es „aufgeht“. An sechs Tagen (Dienstag bis Sonntag) soll das neue Gesundheitszentrum im Standort des ehemaligen LKH tagsüber von 9:00 bis 19:00 Uhr in Betrieb sein. Sowohl das Personal, aber auch die gesamte derzeit vorhandene Infrastruktur (Geräte und medizinische Einrichtungen) werden weiterhin am Standort Mariazell verbleiben, von der KAGES weiterhin zur Verfügung gestellt und im Lauf der Zeit weiter modernisiert und je nach Bedarf ergänzt und erweitert werden.

 

Infoabend

 

Sechs-Tage-Woche, Montag „Ruhetag“

Seebacher zeigte sich mit der Öffnungszeit von sechs Tagen nicht unbedingt zufrieden und kündigte einen „Kampf um den siebten Tag“ an, Drexler hielt entgegen, dass der für Notfälle zuständige Notarztdienst ohnehin 24 Stunden am Tag, sieben Tage pro Woche weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung stehen würde. Überdies sei in Planung, die derzeit für Noteinsätze verfügbaren Hubschrauber auf Nachtflugtauglichkeit aufzurüsten. Dann wäre auch Heli-Transporte zu den weiter entfernten Krankenhäusern auch in den Nachtstunden möglich. Und dann wäre da ja auch noch der Telefonarzt.

Mag. Verena Nussbaum, Obfrau der Stmk. Gebietskrankenkasse, zeigte sich erfreut darüber, dass für dieses Projekt die erforderlichen Ärtze gefunden werden konnten. Für die GKK sei es selbstverständlich, dass die qualitativ hochwertige Versorgung von Patienten auch im ländlichen Raum sichergestellt sein muss. Überdies sei es auch wichtig, den Patienten auch in der Region die Behandlung von chronischen Erkrankungen zu ermöglichen sowie ein EKG, eine Radiologie, ein Blutlabor und Einrichtungen für Verbandswechsel u. dgl. in der Region zur Verfügung stellen zu können.

 

Ein Telefonarzt deckt die Randzeiten ab

Dafür müsse aber die Zeit zwischen 9:00 und 19:00 Uhr ausreichen – alles was darüber hinaus geht, müsste im Vorfeld über den sogenannten „Telefonarzt“ abgeklärt und von diesem an die richtigen Stellen weitervermittelt werden. Für Notfälle wäre ohnehin wie bisher auch der Notarztdienst zuständig, auch wolle man die Hausärzte keinesfalls „aushebeln“, sondern all deren Leistungen mit diesem Gesundheitszentrum lediglich unterstüzten und vervollständigen. Der Betrieb eines richtigen „Krankenhauses“ sei allein schon aufgrund der Vorschriften und Gesetze sowie der generellen Spezialisierung im Gesundheitswesen in einer dünn besiedelten Region wie dem Mariazellerland unmöglich.

 

Der Hoffnungsträger

Zum „Kopf“ des neuen Gesundheitszentrums wurde Dr. Patrick Killmaier erklärt. Der junge Niederösterreicher aus Türnitz ist schon seit längerer Zeit als Notarzt in der Region tätig. Ihm gelang es, ein Ärzteteam zusammenzustellen, mit welchem er dieses Gesundheitszentrum betreiben und besetzen wird. Killmaier sieht das neue Zentrum ebenso nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den Hausärzten, die hervorragende Arbeit leisten.

 

Dr. Patrick Killmaier

 

Seiner Ansicht nach liegt das Problem eher an der Transportlogistik bei Fahrten zu den umliegenden, aber dennoch weit entfernten Krankenhäusern in Bruck, Graz, Leoben, Scheibbs oder Lilienfeld, wo ein Rettungswagen einfach zu lange unterwegs ist und daher in dieser Zeit der Region fehlt. Aus diesem Grund bemüht sich auch Killmaier um mehr grenzüberschreitende Zusammenarbeit und fordert beispielsweise ein zusätzliches Rettungsfahrzeug für den Einsatz zwischen Lilienfeld in NÖ und Bruck/Mur in der Steiermark.

 

Unterscheidung zwischen Krankheit und Notfall

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei der neuen Einrichtung um ein Gesundheitszentrum, dessen Aufgabe primär in der Behandlung von Krankheiten liegt. Durch die Anwesenheit von Ärzten und entsprechend geschultem Personal in der Region ist aber auch ein Synergieeffekt für die Erstversorgung bei Notfällen und Unfällen gegeben. Daher auch die Betriebszeiten am Wochenende, wo auch für tausende Gäste die medizinische Grundversorgung sicherzustellen ist.

Auch Kíllmaier bezeichnete die Nachtflugtauglichkeit der Notarzthubschrauber als wichtigen Schritt, damit die Notarztwägen der Region auch wirklich in der Region in Bereitschaft verbleiben können und nicht stundenlang mit Patienten zu irgendeinem Krankenhaus unterwegs sein müssen.

 

Es kann also losgehen

Ab 1. Oktober geht das neue Gesundheitszentrum also in Betrieb. Und neben der herkömmlichen ärztlichen Versorgung  soll dieses im Lauf der Zeit um viele weitere Angebote erweitert werden. Killmaier nannte dabei sämtliche „medizinverwandten Berufe“, wie beispielsweise Beratung und Hilfe bei psychischen Problemen, Physiotherapie, Ergotherapie, Ernährungsberatung aber auch die Hilfe beim Ausfüllen von Formularen für Pflegegeld oder andere Sozialleistungen.

„Geben wir dem Projekt eine Chance“, so LR Drexler in seinen Schlussworten, „gehen wir es an. Und wenn etwas nicht so funktioniert wie geplant, dann rufen sie uns an oder schreiben sie uns – jedem Einzelnen von uns hier heroben auf dem Podium, wenn es sein muss. Nur so können wir Fehler erkennen und Verbesserungen herbeiführen.“

 

Ein Zwischenfall wie aus einem Drehbuch

Fast wie eigens inszeniert mutete es an, als in den hinteren Reihen im Publikum (vermutlich aufgrund der drückenden Hitze und der schlechten Luft) bereits kurz nach Beginn des Informationsabends plötzlich jemand kollabierte und zusammenbrach. Umgehend waren natürlich jede Menge Ärzte und Sanitäter zur Stelle, um den Patienten zu versorgen.

 

Weitere Informationen zum neuen Gesundheitszentrum Mariazell entnehmen Sie bitte dem Flyer, der bei der Veranstaltung aufgelegt und ausgegeben wurde. Diesen können Sie hier als PDF herunterladen.

Hier einige Eindrücke des Informationsabends:

 

 

Bericht: Mariazell-Online

Fotos: Josef Kuss und Mariazell-Online

 

 

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