Maiandachten im Mariazellerland

Im Marienmonat Mai finden im Mariazeller Land an Bildstöcken, Marterln, Kapellen und Bauernhöfen alljährlich mehrere Maiandachten statt, darunter auch eine beim Franzbauer im Salzatal und eine bei der im Vorjahr neu errichteten Hofkapelle beim Naglhof in Halltal.

Maiandacht beim Franzbauer im Salzatal am 14. Mai 2026

Beim Franzbauer (Familie Greifensteiner/Familie Eisler) im Salzatal ist es seit Jahren schon Tradition, dass beim Bildstock am „Christkind-Hals“ zu Christi Himmelfahrt eine Maiandacht abgehalten wird. Das Marterl am Hals wurde im Jahr 1970 zum Gedenken an die Urgroß- und Großeltern Josefine und Johann Greifensteiner errichtet.

Maiandacht beim Franzbauer im Salzatal - Foto: Franz Peter Stadler
Maiandacht beim Franzbauer im Salzatal – Foto: Franz Peter Stadler

Wie schon im Vorjahr (wir berichteten) konnte aufgrund der regnerischen und kühlen Witterung die Maiandacht nicht am „Hals“ stattfinden und musste daher auch heuer wieder zum Marterl beim Gasthof Franzbauer verlegt werden.

Die Maiandacht im Salzatal wurde von Frau Johanna Erber in sehr würdiger und besinnlicher Art gehalten. Wie jedes Jahr kamen einige Gäste extra auch aus Niederösterreich und Wien angereist. Für das Treffen des richtigen Tons wurde der Kantor Franz-Peter Stadler eingesetzt, der auch die frohe Botschaft zum Tag vortragen durfte.

Maiandacht beim Naglhof im Halltal am 13. Mai 2026

Bereits am Abend davor fand beim Naglhof der Familie Schweighofer im Halltal ebenso eine Maiandacht statt. Wie man auf den Bildern und auch im Video erkennen kann, waren viele Teilnehmer aus Nah und Fern ins Halltal gekommen, um an der Maiandacht, die von Stadtpfarrer Christoph Pecolt abgehalten und von Andreas Lindner am Flügelhorn musikalisch umrahmt wurde, dabei zu sein.

Maiandacht beim Naglhof im Halltal - Foto: Mariazell Online
Maiandacht beim Naglhof im Halltal – Foto: Mariazell Online

Pater Christoph konnte sich auch an einer sehr andächtigen „Ministrantin“ Alma erfreuen, die sich – wie auf den Fotos ersichtlich – voller Hingabe in der der erst im Vorjahr neu errichteten Hofkapelle platziert hatte (wir berichteten).

Im Anschluss lud Familie Schweighofer zu einer Agape mit köstlichen Speisen, die Grammelkekse, Pizzaschnecken und die Schmalzbrote mit rotem Zwiebel wurden mit Begeisterung verzehrt. Trotz der kühlen Witterung blieb der zunächst befürchtete Regen aus und so wurde im Hof noch bis in die Dunkelheit geplaudert und gefeiert.

Nachfolgend ein Videozusammenschnitt der Andacht im Halltal sowie eine Bildergalerie der beiden Maiandachten:

Was ist eine Maiandacht? Warum wird sie gefeiert?
Hintergründe und Wissenswertes – kurz zusammengefasst:

Die Maiandacht ist ein Wortgottesdienst zu Ehren Marias. Wie der Name schon sagt findet eine Maiandacht traditionellerweise im Mai statt. Der Monat Mai ist, ebenso wie der Oktober, der Verehrung der Gottesmutter Maria gewidmet. Aus diesem Grund wird in der katholischen Kirche der Monat Mai auch „Marienmonat“ genannt.

Für die Andacht wird ein Marienbildnis oder eine Marienstatue besonders festlich geschmückt. Die Mariensymbolik des Mai ergibt sich aus dem Aufblühen der Natur in diesen Wochen. Als erste und schönste Blüte der Erlösung, als „Frühling des Heils“, gilt in der katholischen Spiritualität die Gottesmutter. Schriftlesungen, Lieder, Gebete und Predigt stellen das Heilswirken Gottes im Leben Mariens in den Mittelpunkt.

Maria, die Mutter von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, gilt den Menschen als Fürsprecherin bei Gott. In Maiandachten bringen Gläubige ihre Bitten an Maria vor. Menschen in Not wenden sich an sie als „Trösterin der Betrübten“ und „Vorbild in schweren Zeiten“ sowie als „Heil der Kranken“ und „Hilfe der Christen“. Zugleich wird Maria als „schönste aller Frauen“, als Jungfrau, Mutter Gottes und Himmelskönigin verehrt.

In der Heilsgeschichte nimmt Maria eine wichtige Rolle ein. Dies wurde im Konzil von Ephesus im Jahr 431 nach Christus festgeschrieben. Doch haben sich Maiandachten erst später durchgesetzt, wie die Geschichte der Maiandacht zeigt. Die Maiandachten entwickelten sich zunächst langsam, erfuhren später einen regelrechten „Boom“ und haben sich bis heute erhalten.

Schon im Mittelalter wurden Maifeste heidnischen Ursprungs christlich umgedeutet. Im Laufe der Zeit entwickelten sich marianische Feste daraus. Die Marienverehrung, wie wir sie noch heute in Maiandachten pflegen, ging von der italienischen Stadt Ferrara in der Kirche der Kamillianer aus. Dort wurden im Jahre 1784 erstmals Maiandachten für die Allgemeinheit zugänglich abgehalten. Zuvor dürften Andachten zu Ehren Mariens vorwiegend in privaten Räumlichkeiten innerhalb der Familie stattgefunden haben oder nur zum Teil öffentlich gewesen sein.

Von Italien aus verbreitete sich die Maiandacht schließlich nach Frankreich und andere europäische Länder. Die Blütezeit der Maiandacht war zwischen 1850 und 1950. In Österreich wurden Maiandachten ab Mitte des 19. Jahrhunderts gefeiert.

Herzlichen Dank an Ing. Franz-Peter Stadler 1010 Wien, Salzatal & Schladming für Text, Video und Fotos.

Bericht und Bilder: Mariazell Online, Franz Peter Stadler
Video: Franz Peter Stadler

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