Maibaumaufstellen beim Franzbauer

Eine jahrelange Tradition ist inzwischen das Maibaumaufstellen beim Gasthof Franzbauer im Salzatal, welches heuer am 30. April 2026 bereits zum 26. Mal stattfand. Nach alter Tradition wird dort dieser Brauch noch in der ursprünglichen Form gepflegt und der Maibaum ohne technische Hilfe und mit reiner Muskelkraft aufgestellt.

Der diesmal 30 Meter hohe Baum wurde unter der Anleitung von Thomas Plachel und der Oberaufsicht von Hans Höhn (Altmeister) durch rund 30 Männer händisch und mit Hilfe langer Stangen, den sogenannter Schwaiberl („Schwalben“) aufgestellt. Aufgrund der schweißtreibenden und anstrengenden Arbeit wurden die Helfer vorerst in einer nötigen Pause mit genügend Bier versorgt, auch wenn die Lufttemperatur nur bei ca. 7 Grad Celsius lag.

Maibaumaufstellen 2026 beim Gasthof Franzbauer im Salzatal – Foto: Ing. Franz Peter Stadler
Maibaumaufstellen 2026 beim Gasthof Franzbauer im Salzatal – Foto: Ing. Franz Peter Stadler

Nach dem erfolgreichen Aufstellen des Maibaumes bekamen die tatkräftigen Helfer ein von Erni Greifensteiner und Eva Dietl vorzüglich zubereitetes Gulasch um wieder zu vollen Kräften zu gelangen, der Durst wurde mit edlem Hopfengetränk gelöscht.

Die Vorbereitungen des Maibaumes – Scheppsen – Kranz binden:

Das Abschaben der Rinde des Maibaumes, das sogenannte „Scheppsn“, wird direkt im Wald mit dem Schepseisen (im Dialekt „Schöpser“) erledigt, dabei wird der gesamte Baum entrindet und nur der Wipfel bleibt erhalten. Der Baum wird dann an einen meist geheim gehaltenen Ort gebracht um das Holz glatt zu schleifen, den Kranz zu binden und mit bunten Bändern zu schmücken. Die Kränze des Maibaumes wurden unter Anleitung von Gabriele Eisler vom Gasthof Franzbauer und weiteren tatkräftigen Helferinnen wie Claudia und Erni geflochten.

Unter den vielen Gästen waren auch ZuseherInnen aus Nah und Fern wie aus Deutschland, Maria Enzersdorf, und Wien.

Woher kommt der Brauch des Maibaumaufstellens – das traditionelle Maibaumgesetz?

Das Maibaumaufstellen geht auf heidnisches Brauchtum zurück, womit die Germanen ihre Waldgottheiten verehrten. Im Jahre 1230 wurde erstmals der Maibaum schriftlich erwähnt. Im Mittelalter wies er als Rechtssymbol darauf hin, dass die Felder bis zur Ernte nicht betreten werden durften. Später wurde er als „Hexenbaum“ vielerorts verboten. Aus dieser Zeit stammt auch der Brauch, den Stamm zu entrinden, damit sich keine Hexen darunter verstecken können. Heutzutage ist volkstümliche Unterhaltung angesagt. Der Maibaum gilt außerdem als Symbol für Fruchtbarkeit und das Leben, das im Frühling wieder mit der Natur erwacht.

Als „Maien“ wurde ursprünglich die Birke erkoren, weil diese als erster Baum aus ihrer Winterstarre erwacht. Die Birke gilt daher als Symbol für Kraft und Anmut, Lebenswillen und Trost, Licht sowie Heiterkeit. Auch die Fichte wird insbesondere in heutigen Zeiten als Maien gerne verwendet, denn sie treibt im Wonnemonat Mai aus und gilt daher als festliches Symbol für die Ankunft des Lichtes wie der Wärme. Ein schlanker, entrindeter Baum, dessen Krone geschmückt mit Kränzen und Bändern, wird an einem markanten Ort, daher auch beim Gasthof Franzbauer im Salzatal aufgestellt.

Maibaumaufstellen 2026 beim Gasthof Franzbauer im Salzatal – Foto: Ing. Franz Peter Stadler
Maibaumaufstellen 2026 beim Gasthof Franzbauer im Salzatal – Foto: Ing. Franz Peter Stadler

Das traditionelle Maibaumgesetz schreibt vor, dass an den ersten und letzten drei Tagen der Maibaum gestohlen werden darf. Beim Stehlen darf der Maibaum nicht umgesägt, sondern muss in seiner ganzen Länge entfernt werden. Zum Brauchtum gehört daher auch, dass der Baum bewacht wird, damit er nicht gestohlen werden kann, sowie es auch beim Franzbauer Brauch ist. Zu diesem Zweck wurde ein eigenes Hütterl zur Verfügung gestellt, denn morgens am 1. Mai hatten wir minus 4 Grad Celsius.

Der Maibaum ist wohl das markanteste Zeichen des Brauchtums, das mit dem fünften Monat unseres Kalenders und dem zugleich dritten Monat des altrömischen Kalenders zusammenfällt. Er steht sinnbildlich für alles Werden und Fruchttragen und stellt eine Lebensrute dar. Vor dem Mittelalter dürfte es ihn als Brauchtum noch nicht gegeben haben. Erste Belege dafür findet man im Jahr 1230, wo es die Aufgabe der weltlichen oberen Bürgerschicht war, einen Baum aufzustellen und zu schmücken. Erst später übernahmen Burschengruppen diesen Brauch, wobei schon damals das Stehlrecht galt!

1. Mai – Feiertag – Tag der Arbeit – Tag des Maibaumes – Gedenktag Josef der Arbeiter:

Im deutschsprachigen Raum ist der 1. Mai ein Feiertag, an dem Arbeiterkundgebungen durchgeführt werden. Die Idee den 1. Mai als „Tag der Arbeit“ zu feiern, stammt ursprünglich aus Amerika. Dort beschloss eine Arbeitervereinigung im Jahr 1888, einen sozialen Feiertag einzuführen. Mit diesem Ruhetag wollten sie zudem demonstrieren, dass die Maschinen ohne die dazugehörigen Menschen still stehen würden.

In Österreich ist der 1. Mai nicht nur als „Tag der Arbeit“ bekannt, sondern ist seit 1919 offizieller Feiertag und seit 1949 der Staatsfeiertag.

In der Kirche wird der 1. Mai auch als GedenktagJosef des Arbeiters“ gefeiert. Papst Pius XII. führte diesen im Jahr 1955 als kirchliches Pendant zum weltweit begangenen Tag der Arbeit ein. Josef war in der biblischen Überlieferung als Bauhandwerker tätig und gilt so traditionell als Patron der Arbeiter, insbesondere der Zimmerleute und Holzfäller.

Nachfolgend eine Bildergalerie vom Maibaumaufstellen 2026 beim Gastof Franzbauer im Salzatal:

Herzlichen Dank an Ing. Franz-Peter Stadler 1010 Wien, Salzatal & Schladming für Text und Fotos.

Bericht: Mariazell Online, Franz Peter Stadler
Bilder: Franz Peter Stadler

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