Masterplan für die Bürgeralpe

Am Donnerstag, 20. September 2018 luden die Stadtgemeinde Mariazell, der Tourismusverband Mariazeller Land und die Mariazeller Bürgeralpe zu einem Informationsabend betreffend der Pläne für den Umbau der Seilbahn in den Raiffeisensaal. Hunderte interessierte Zuhörer folgten dem Aufruf und so konnte BGM Manfred Seebacher in einem vollen Saal die Anwesenden begrüßen.

Neben Seebacher am Podium auch Albert Pollerus und Peter Kaml in Vertretung der Gesellschafter, der Vorsitzende des TVB Mariazeller Land Georg Rippel, der Geschäftsführer von Seilbahn und Mariazellerland GmbH Johann Kleinhofer und der Planer Baumeister Hans Hödl.

In den Eröffungsreden wurde besonders auf die Wichtigkeit der Mariazeller Bürgeralpe und der Seilbahn im Bezug auf Tourismus und Wirtschaft der Region hingewiesen, eine Vielzahl von Arbeitsplätzen ist unmittelbar mit dem Weiterbestand des Seilbahnbetriebs auf dem Mariazeller Hausbergs verbunden. Ebenso wurde gleich zu Beginn mit Gerüchten und Missverständnissen aufgeräumt – die Verlegung der Seilbahn nach St. Sebastian sei längst kein Thema mehr, der Verbleib der Talstation in der Wiener Straße ist sowohl von den Gesellschaftern abgesegnet als auch vom Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Die Konzession für den Betrieb der 90 Jahre alten Seilbahn läuft mit 28. Oktober 2018 endgültig aus – eine Sanierung der Anlage wäre mit Kosten von rund 4 Mio. Euro verbunden, was betriebswirtschaftlich nicht vertretbar wäre. Aus diesem Grund entschieden sich die Gesellschafter für einen Neubau und beauftragten Baumeister Hans Hödl und Architekt Christian Ziegler mit den Planungen.

Der ursprünglich geplante „Globe“ (eine riesige begehbare Holzkugel) hätte zwar für enorme Aufmerksamkeit gesorgt, wurde nach vertiefter Prüfung wieder verworfen. Allein der Transport der Bauteile auf den Berg sowie die zu erwartenden Wind- und Schneelasten hätten unverhältnismäßige Kosten verursacht. So kam man zum Schluss, die vorhandene Infrastruktur verbessern, modernisieren und zu einem Gesamtpaket zusammenführen zu wollen und mit einigen neuen Attraktionen zu ergänzen.

Baumeister Hödl schilderte gemeinsam mit Johann Kleinhofer im Anschluss einige konkrete Details: so soll das Dellinger-Haus in der Wiener Straße abgerissen werden, um ausreichend Platz für eine neue Talstation zu schaffen. Start der Einseil-Umlaufbahn ist im Obergeschoß der neuen Talstation, dieses soll über einen Lift und eine Treppe erschlossen werden. Im Erdgeschoß soll der Kassenbereich sowie ein überdachter Wartebereich entstehen, vor dem Haus ist eine Busbucht geplant. Die Bahn der Fa. Doppelmayr soll auf zehn Stützen aufgebaut sein und mit 22 Gondeln für je 8 Personen bis zu 800 Gäste pro Stunde befördern können.

Bild:  zVg. Mariazeller Bürgeralpe

Bild: zVg. Mariazeller Bürgeralpe

Auch am Berg sind umfassende Eingriffe in den Bestand geplant. So sollen die oberen Etagen des Berggasthofs abgerissen und das Erdgeschoß modernisiert und erweitert werden. Die derzeitige Sitzplatzanzahl in der Gastronomie wird mit 250 ungefähr gleich bleiben wie bisher. Auch die Bergstation der Bahn wird leider der Abrissbirne zum Opfer fallen – geplant ist eine Art „Tor“, das durch eine Vielzahl von Rundbögen aus Holzleimbindern einen „optischen Tunnel“ bildet und die Besucher zu den bestehenden und neuen Attraktionen führen soll.

Neben einem Indoor-Spielplatz im Untergeschoß des Berggasthofs, einer Tubing-Rutsche und einer Vielzahl an Spiel- und Motorikstationen soll in einem der Bögen auch eine Riesenschaukel für sechs Personen errichtet werden. Von der 600 m² großen Dachterrasse des Berggasthofs führt eine Brücke zu einer Chill-Out Area, einer Aussichtsplattform in luftiger Höhe, errichtet auf den ersten beiden Bögen der Bergstation. Die Terrasse selbst ist ebenso mit diesen Bögen überspannt und wird in einer zweiten Ausbaustufe eventuell mit einer mobilen Überdachung ausgestattet, um bei Konzerten und Veranstaltungen auch für Wetterkapriolen gerüstet zu sein.

Im Untergeschoß der neuen Bergstation wird nicht nur der Antrieb der Bahn platziert, sondern auch Lager- und Arbeitsräume sowie Santärräume installiert, das Wegenetz auf der Bürgeralpe (auch durch das Holzknechtland und zu den beiden Seen) wird völlig barrierefrei aufgebaut, die Straße auf der Westseite wird stillgelegt und die Zufahrt für KFZ erfolgt künftig nur mehr über die Rückseite der Bürgeralpe und den Kristallsee.

Im Rahmen der Umbaumaßnahmen soll auch die Beschneiungsanlage erweitert werden – neue Leitungen und weitere Schneekanonen sollen den Winterbetrieb absichern, die Errichtung eines Kühlturms ist erst für eine zweite Ausbaustufe vorgesehen.

Bild:  zVg. Mariazeller Bürgeralpe

Bild: zVg. Mariazeller Bürgeralpe

Die Gesamtkosten für dieses Projekt belaufen sich auf 11 Mio. Euro und sind beinahe ausfinanziert. Derzeit fehlt noch eine Restsumme von etwa 385.000,- Euro, die man sich nun von privaten Investoren erhofft. Bei der Informationsveranstaltung wurde daher intensiv an die anwesenden Gäste appelliert, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Dies ist mittels Beteiligung an der Gesellschaft, durch Nachrangdarlehen, Werbe- und Sachleistungen oder aber auch durch Spenden ohne Gegenleistung möglich. Zusätzlich soll ab Mitte Oktober eine Baustein-Aktion starten, die im Internet verbreitet und beworben werden soll.

„Gemeinsam können wir es schaffen“, gibt sich TVB-Vorsitzender Georg Rippel optimistisch, „die letzten Meter sind immer besonders schwierig“. Ambitioniert auch der Zeitplan: Wenn alles wie geplant klappt, dann sollen bereits im November 2019 – zum 20-jährigen Jubiläum des Mariazeller Advent – die ersten Fahrgäste mit der neuen Seilbahn auf die Bürgeralpe fahren können. Die Eröffnung des neuen Berggasthofs könnte dann rechtzeitig zur Sommersaison im Mai 2020 erfolgen.

Die Folien der Projektpräsentation finden Sie hier:

Bericht: Mariazell Online
Bilder und Präsentation: zVg. Mariazeller Bürgeralpe

1 Antwort

  1. Heribert Strohmaier sagt:

    Das Seilbahnprojekt finde ich geglückt, das Projekt auf dem Berg finde ich eine Schnapsidee. In die Zukunft denkende Touristiker denken heute über einen sanften Tourismus nach und setzen diesen auch zum Wohle der Anrainer und Gäste durch. In Mariazell dürfte dieser vorausdenkende und vernünftige Gedanke noch nicht angekommen sein. So glaube ich mit Recht frei nach Cicero fragen zu dürfen:“ Cui bono?“

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