Superior Staberl zieht Bilanz über erstes Dienstjahr

Superior Staberl: „Bei Wallfahrt haben alle Platz“

Graz, 09.10.2017 (KAP) „Das Schwierigste war, dass ich unglaublich vielen Menschen begegne, aber immer nur kurz und flüchtig“: Mit diesen Worten hat Benediktinerpater Michael Staberl Bilanz über sein erstes Jahr als Superior von Mariazell, dem wichtigsten österreichischen Wallfahrtsort, gezogen.

Diese Aufgabe unterscheide sich sehr von seinen früheren als Ortspfarrer in Mariazell: „Ich kann mir meine Termine nicht mehr einteilen, sondern muss mich nach den Wallfahrergruppen richten“, sagte Staberl im Interview mit der „Kleinen Zeitung“ (Sonntag-Ausgabe vom 8. Oktober 2017). Die meisten legten Wert auf die persönlichen Begrüßung durch ihn als Superior.

„Auch wenn die Kontakte flüchtig sind, bemühe ich mich, sie nicht zur Routine erstarren zu lassen“, erklärte der Ordensmann. „Etwa indem ich auf aktuelle Geschehnisse in den Fürbitten oder den Begrüßungsworten Bezug nehme, zuletzt etwa auf die Erdbeben in Mexiko.“

Das Wallfahrtsmanagement insgesamt, für das er nun die Hauptverantwortung trage, sei „überschaubar, wir haben keine Reichtümer und auch keine großen Budgets zu verwalten“.

Er wolle vor allem ein guter Gastgeber für die Wallfahrer sein und auf die Bedürfnisse der Gäste eingehen. Papst Franziskus und der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl seien ihm darin große Vorbilder, wie der Benediktiner hinwies.

Die Wallfahrt weise ein breites Spektrum an theologischen Strömungen auf. „Ich bewerte das nicht“, und habe auch nicht vor, sich in kirchenpolitische Diskussionen einzumischen, so Staberl.

Foto: Josef Kuss, Amtseinführung 2016

Foto: Josef Kuss, Amtseinführung 2016

Wallfahrtsmotive nicht bewerten

Befragt zur Wallfahrt als gegenwärtig angesagter „Trendsportart“ und im Zuge der Säkularisierung schwindende Spiritualität unterstrich der Superior: „Hier haben alle Platz.“ Er wolle „die Menschen nicht in einen Raster zwängen“. An einem starken Samstag kämen rund 8.000 Menschen in die Basilika. „Was wissen wir schon, was den Einzelnen bedrückt?“, warnte Staberl vor Kategorisierungen.

Zu manchmal auftretenden „Reibeflächen“ zwischen spirituellen und ökonomischen Interessen meinte der Superior, es sei schon richtig, dass „nicht alles, was ein Geschäft ist, mit der Wallfahrt gut vereinbar“ sei; aber umgekehrt sei „nicht alles, was der Wallfahrt dient, ein Geschäft“. Beides auseinanderzuhalten falle ihm leichter, weil er zwölf Jahre lang Pfarrer von Mariazell war. „Das Gesprächsklima ist sehr gut und auch die Pfarrseelsorge und die Wallfahrtsseelsorge sind sich nähergekommen.“

Als „Baustellen“ in seinem Aufgabenbereich nannte Pater Staberl die Erhaltung des momentan „großartigen Bauzustandes“ der Basilika als große Herausforderung, „da muss man ständig dahinter sein“. Derzeit werde die gesamte Wallfahrtsorganisation inklusive der Anmeldungen auf EDV umgestellt. Ab 1. Mai 2018 werde es auch eine App geben, über die man die Liturgietexte in mehreren Sprachen abrufen kann.

Die Kontakte mit den vielen Pilgergruppen aus den Nachbarländern seien sehr gut. „Wir haben zwei Priester mit Ungarisch und einen mit Tschechisch als Muttersprache“, erläuterte der Superior. „Das ist sehr wichtig, seit 600 Jahren ist Mariazell quasi ein ungarischer Ort.“

Foto: Mariazell Online

Foto: Mariazell Online

Bericht: kathpress
Fotos: Josef Kuss und Mariazell Online

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