Otto von Habsburg war mit Mariazell sehr verbunden

{tab= Requiem in Mariazell}

Otto von Habsburg war in der Nacht auf Montag in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See in Bayern im Alter von 98 Jahren verstorben. Das Requiem, das Kardinal Schönborn halten wird, ist für den 16. Juli im Wiener Stephansdom geplant, anschließend soll die Beisetzung in der Wiener Kapuzinergruft stattfinden. Requiem und Beisetzung seien „für Österreich ein historischer Moment“ und es tue dem Land gut, so Schönborn, „im Gebet und in Dankbarkeit an diesen großen Habsburger zu denken“.

Der verstorbene Otto von Habsburg  war mit dem Wallfahrtsort Mariazell sehr verbunden. 1976 feierte er mit seiner Frau Regina hier die Silberhochzeit und 25 Jahre später, im Jahr 2001, seine Goldene Hochzeit. Auch seinen 80. Geburtstag feierte Otto Habsburg mit einem Festgottesdienst in der Basilika – ein besonderer Tag, weil dem Habsburger die Ehrenbürgerschaft von Mariazell, die er während der Nazizeit verloren hatte, wieder verliehen wurde.

Otto und Regina von Habsburg 2005 in Washington (05/2005) Severin Meister
Otto und Regina von Habsburg 2005 in Washington (05/2005) Severin Meister

Am Mittwoch, 13. Juli 2011, wird in der Basilika Mariazell ein Requiem für Otto Habsburg gefeiert. Hauptzelebrant der Messe wird der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari sein. Am Vorplatz der Basilika werden die Särge von Otto und seiner vor einem Jahr verstorbenen Ehefrau Regina zusammengeführt. Die Särge von Otto und Regina Habsburg werden schon am 12. Juli vor dem Hochaltar aufgebahrt; danach kann bis in die Nacht hinein bei einer Totenwache den Verstorbenen gedacht werden.

Am 16. Juli findet im Stephansdom zu Wien die große Totenmesse statt, zelebriert von Kardinal Christoph Schönborn. Danach werden die Särge in einem Trauerzug zur Kapuzinergruft geleitet. Die Kapuzinergruft ist die letzte Ruhestätte der Habsburger. Sie befindet sich unter der Kapuzinerkirche am Neuen Markt in der Wiener Innenstadt. Kaiserin Anna (1585-1618), die Gemahlin von Kaiser Matthias (1557-1619), legte 1618 testamentarisch fest, dass ein Kapuzinerkloster samt Begräbnisstätte innerhalb der Stadtmauern Wiens errichtet werden soll.

Eine Tradition der Familie ist es, das Herz und den Leichnam getrennt voneinander zu bestatten. Das Herz wird im ungarischen Kloster Pannonhalma beerdigt. In Ungarn hatte Otto einige Jahre im Knabeninternat verbracht.

Bericht:
Mariazell Online,
Kleine Zeitung
, Die Presse , ORF
Bild:
Pressestelle

{tab=Lebensgeschichte}

Otto von Habsburg wurde am 20. November 1912 in Reichenau/Niederösterreich als Sohn von Erzherzog Karl, dem späteren Kaiser von Österreich und König von Ungarn und Erzherzogin Zita geb. Prinzessin von Bourbon-Parma, geboren.

Nach dem Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie musste die Familie 1919 ins Exil in die Schweiz, später nach Madeira, wo Kaiser Karl am 1. April 1922 verstarb. Otto von Habsburg wuchs in Spanien und Belgien auf, sein Doktorat legte er 1933 an der Université Catholique de Louvain (Löwen in Belgien) ab. In den darauffolgenden Jahren widmete er sich dem Kampf gegen den Nationalsozialismus und gegen den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich.

Während des Krieges führte er seinen Einsatz für die Befreiung und Wiedererstehung Österreichs sowie für die anderen Länder der ehemaligen Monarchie vom amerikanischen Exil aus fort. Am Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er zurück nach Europa und setzte sich für die Einigung des Kontinents ein. Er arbeitete seit dem gemeinsamen Exil in den USA eng zusammen mit dem Gründer der Paneuropa-Union, Richard Graf Coudenhove-Kalergi, dessen Nachfolger als Internationaler Präsident der Paneuropa-Union er 1973 wurde.

Dieses Amt hatte er 31 Jahre lang bis 2004 inne. Nach Österreich konnte er erst 1966 nach 48jährigem Landesverweis und fünfjährigem Rechtsstreit wieder einreisen. Von 1979 bis 1999 war Otto von Habsburg Abgeordneter der CSU im Europäischen Parlament. Hier wirkte er insbesondere im Außenpolitischen Ausschuss, setzte sich für die Völker jenseits des Eisernen Vorhangs ein und kämpfte für das Selbstbestimmungsrecht der Völker, für Minderheitenrechte und für eine rasche Osterweiterung nach dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989.

Im Jahr 1989 war er der Initiator und Schirmherr des Paneuropäischen Picknicks an der österreichisch-ungarischen Grenze, bei dem mehr als 600 Deutsche aus der „DDR“ in die Freiheit gelangten. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Europäischen Parlament im Jahre 1999 blieb Otto von Habsburg aktiv als Redner und Politiker. Otto von Habsburg war Träger zahlreicher in- und ausländischer Auszeichnungen. Otto von Habsburg war verheiratet mit Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen (gestorben am 3. Februar 2010).

Das Paar lebte seit 1954 in Pöcking am Starnberger See und hat 7 Kinder, 22 Enkelkinder und zwei Urenkel. Der Chef des Hauses Habsburg ist der älteste Sohn Karl Habsburg-Lothringen, der in Österreich lebt. Karl Habsburg: „Mein Vater war eine überragende Persönlichkeit. Mit ihm verlieren wir einen großen Europäer, der uns in allem, was wir heute tun, über die Maßen geprägt hat.“

Bericht:
Pressestelle
Otto von Habsburg

 

 

 

 

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