Theateraufführung „Oh mein Gott!“
Die humorvolle und geistreiche Komödie „Oh mein Gott“ der israelischen Autorin Anat Gov wird derzeit im Theater im Stadl am Kreuzberg in Mariazell aufgeführt. Das Publikum war bereits bei der Premiere vom Zwei-Personenstück sowie von den beiden Akteuren Regina Renth-Wagner als resulute Psychotherapeutin Ela und Toni Scherer als allmächtiger und geheimnisvoller Herrn G. (Gott) restlos begeistert.

In „Oh mein Gott!“ geht es um die menschlichen Probleme von Gott, Glaubensfragen, das Alte Testament und die Suche nach Antworten auf existenzielle Fragen der Menschheit. Es treffen zwei unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander. Rund 80 Minuten lang liefern sich der völlig verzweifelte Gott (Toni Scherer), der sich nur langsam zu erkennen gibt, und seine wortgewandte Psychotherapeutin Ela (Regina Renth-Wagner), die anfänglich misstrauisch und überfordert ist, amüsante Wortgefechte.
Ela, eine resolute Psychologin, erhält einen mysteriösen Anruf. Ein völlig verzweifelter Mann besteht darauf, sie noch an diesem Abend aufsuchen zu können. Der neue Patient scheint ein Prominenter, ein hohes Tier beim Geheimdienst oder etwas ähnlich Bedeutsames zu sein, da er seine Anonymität wahren will und nur den ersten Buchstaben seines Vornamens preisgibt. Doch schon bald stellt sich heraus, dass sich hinter diesem merkwürdigen „G“ kein geringerer als Gott persönlich verbirgt. Dieser Gott steckt in einer tiefen Depression und plant, seinem Leben und damit auch seinem Werk, seiner Schöpfung, ein Ende zu setzen, noch effizienter als damals bei der Sintflut. Ela bleibt auf Geheiß von Gott nur eine Stunde Zeit, ihren inneren Konflikt mit Gott zu überwinden und Gottes depressive Pläne zu ändern und somit die Welt zu retten.
„Oh mein Gott“ stellt die existenziellen Fragen:
Was sind unsere Wurzeln? Was ist der Sinn des eignen Lebens? Steht Religion für Toleranz oder für Fundamentalismus? Wie war das damals mit Adam und Eva, der Schlange und Kains Opfer? Was hat es mit Hiob auf sich? Ist Gott ein Macho mit Gewaltproblem und eine Gefahr für die Allgemeinheit? Wenn es bei Gott keine Mutter gibt, wem gibt man dann die Schuld? Wie ist das Verhältnis zischen Menschen und Gott? Warum zum Teufel hat Gott den Menschen erschaffen? Hat Gott vielleicht mit der Schöpfung einen Fehler gemacht, als er den Menschen erschaffen hat? Und wie hat er sich gefühlt, als er die Welt erschuf? Die Antworten auf diese Fragen liefert das Theaterstück auf eine humorvolle und tiefgründige Art und Weise.

Fazit:
„Oh mein Gott!“ ist eine wirklich grandiose, köstlich amüsante, kluge und dabei sehr berührende Komödie voller Überraschungen. Das Theaterstück zeigt, dass auch Gott sehr menschliche Probleme hat und uns Menschen daher sehr nahe ist. Mit Bühnenpräsenz und gekonnt gesetzten Nuancen in Mimik und Gestik beeindruckten die beiden Publikumslieblinge. Pointierter Sprachwitz und herrliche Situationskomik sorgten für viele Lacher im Publikum. Das stilvolle Bühnenbild kam mit wenigen Requisiten aus.
Für Regie und Gesamtleitung zeichnen Toni Scherer und seine Tochter Michaela Haas-Scherer verantwortlich, als Souffleusen und in der Maske fungieren Conny Fluch und Michaela Haas-Scherer, um die Lichttechnik und den Ton kümmern sich Ing. Werner Girrer und Christoph Haas.
Oh mein Gott!“ wurde 2010 von der European Theatre Convention unter die „120 best contemporary European Plays for the stage“ gewählt und ist bereits ins Englische, Französische und Italienische übersetzt. Das Stück wird im Mariazeller Theaterstadl an insgesamt fünf Terminen aufgeführt: (23. Mai, 29. Mai, 5. Juni, 6. Juni und 12. Juni), Karten gibt es in der Trafik Girrer am Hauptplatz in Mariazell sowie online auf der Theaterwebsite.
Ing. Franz Peter Stadler war bei einer der Aufführungen dabei und hat uns die folgenden Bilder zur Verfügung gestellt:
Über Anat Gov:
Anat Gov wurde am 13. Dezember 1953 in Tiberias, Israel, geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft an der Universität in Tel Aviv und begann anschließend als Autorin für verschiedene TV Comedy- und Satiresendungen zu arbeiten. 2000 erhielt sie den Israeli Theatre Award in der Kategorie „Best Comedy“ für ihr Stück „Best Friends“. In Deutschland war sie u.a. präsent durch ihre Mitwirkung am Theaterprojekt „Opposing Sides“ 2003 im Theater Heilbronn, einer Gemeinschaftsarbeit israelischer und palästinensischer Autoren. Anat Gov‘s Stücke feierten national wie international große Erfolge. Darüber hinaus war sie in ihrer Heimat Israel als Kolumnistin für die Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“ tätig und engagierte sich als eine der Gründerinnen der Ezrat-Nashim-Organisation für Opfer sexueller Gewalt. „Oh mein Gott!“ wurde 2010 von der European Theatre Convention unter die „120 best contemporary European Plays for the stage“ gewählt. Anat Gov starb am 9. Dezember 2012 an Krebs.

Herzlichen Dank an Ing. Franz-Peter Stadler 1010 Wien, Salzatal & Schladming für Text und Fotos.













