LKH Mariazell droht Schließung

Das LKH Mariazell steht schon seit längerer Zeit im Brennpunkt der medialen Berichterstattung. Immer weiter wurde der Betrieb des Krankenhauses in den letzten Jahren reduziert, und selbst der 24-Stunden-Ambulanzbetrieb, der zuletzt die medizinische Erstversorgung der Region abdecken sollte, kann nun nicht mehr aufrecht erhalten werden. Es mangelt an ärztlichem Personal, eine Besetzung rund um die Uhr ist daher lt. dem Betreiber KAGES nicht mehr möglich.

Im September 2014 hat das LKH Mariazell nur mehr an 13 von 30 Tagen geöffnet und auch im Folgemonat sieht der Dienstplan ähnlich aus. Die Zukunft des Spitals steht in den Sternen. Das Mariazeller Land mit seiner exponierten Lage ist allerdings auf eine adäquate medizinische Versorgung in der Region angewiesen. Denn nicht nur für die Bewohner stellen Fahrten ins nächstgelegene Krankenhaus eine enorme Strapaz dar, bei einer Schließung der Ambulanz gäbe es für das Mariazeller Land auch keine Erstversorgung im Notfall mehr. Die Altersstruktur der Bevölkerung stellt ein weiteres gewichtiges Argument für eine leistungsfähige und schlagkräftige Notfallsmedizin dar.

LKH Mariazell droht Schließung

Eine Schließung würde für die Region überdies eine massive Gefährdung des Tourismus, der „Lebensader“ der Region, bedeuten. Tausende Touristen und Pilger strömen jedes Jahr in den Wallfahrtsort und seine Nachbargemeinden, Tausende, die ihren Urlaub im schönen Bergland verbringen, Schifahren oder wandernd die Natur genießen. Hier steigen aber natürlich auch die Unfallgefahren. Ohne eine medizinische 24-Stunden-Erstversorgung könnte allerdings die Attraktivität der Region für die Urlaubsgäste, aber auch z. B. für Schulsportwochen beträchtlich sinken. Dies hätte drastische Folgen und Auswirkungen auf den Tourismus. Eine Region, in der der Großteil der Einwohner in der Gastronomie und Hotellerie beschäftigt ist oder zumindest indirekt vorwiegend vom Tourismus lebt, wäre existenziell bedroht und zum Sterben verurteilt.

Diese Problematik blieb auch der Politik nicht verborgen. Mit 5. September 2014 starteten beispielsweise die steirischen Grünen auf ihrer Homepage eine Online-Petition zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung im Mariazeller Land, die Sie hier unterzeichnen können. Aber auch die anderen politischen Parteien bekunden ihr Interesse am Fortbestand und nach den jüngsten Medienberichten formierte sich zusätzlich auch noch eine unabhängige Bürgerinitiative in der Region.

 

Verhandlungen am 10. September

Am Vormittag des 10. September erschienen dann der zuständige Gesundheits-Landesrat Chistopher Drexler und KAGES-Vorstandsmitglied Univ.-Prof.iR. Karlheinz Tscheliessnigg im Mariazeller Land, um mit den vier Bürgermeistern der Region und unter Beiziehung des Mariazeller Arztes Dr. Walter Surböck weitere Gespräche und Verhandlungen über die Sicherung der medizinischen Erstversorgung in der Region und mögliche Strategien zur Fortführung des Betriebs aufzunehmen.

Dabei wurden die beiden Verhandler nicht nur von den politischen Entscheidungsträgern begrüßt sondern auch von zahlreichen Medienvertretern und einer Menschenmenge, ursprünglich initiiert von einer Bürgerinitiative rund um Hans-Peter Brandl, am Gelände des LKH Mariazell empfangen. Mit Trillerpfeifen und Schildern bekundeten trotz der zeitlich knappen Vorankündigung rund 400 Teilnehmer ihren Unmut über die politischen Entwicklungen und die Sorge über eine komplette Schließung des Hauses, zeigten durch die zahlreiche Anwesenheit aber auch gleichzeitig die regionale Bedeutsamkeit der medizinischen Grundversorgung für die Bewohner und Gäste der Region auf.

Nach der etwa 30minütigen Kundgebung zogen sich die Verhandler dann zu einem internen Gespräch in das LKH-Gebäude zurück.

Einer Facebook-Meldung von BGM Josef Kuss zufolge lassen die Verhandlungsergebnisse doch vorsichtigen Optimismus aufkeimen:

Gutes Gespräch mit dem Landesrat und dem Vorstandsvorsitzenden.
Die Schließung der Ambulanz ist vom Tisch. Die Primäre Erstversorgung 24 Stunden an 7 Tagen ist sicherzustellen. Das ist der klare Auftrag von Landesrat Christopher Drexler. Danke an Dr. Walter Surböck für die beeindruckende Ausarbeitung und Präsentation des Lösungsvorschlages für die Region!

Und der ORF Steiermark schreibt unter der Überschrift „Lösung in Sicht„:

Drexler hatte sich am Vormittag zusammen mit KAGes-Vorstand Karlheinz Tscheliessnigg mit mehreren Bürgermeistern aus der Region sowie dem niedergelassenen Arzt Walter Surböck zu einem Gespräch getroffen – dabei besprach man die Idee, dass umliegende Mediziner vorerst für Oktober einspringen und damit eine durchgehende Öffnung der Ambulanz gewährleistet ist. Mittelfristig könnten die Ärzte ihre Ordinationen ins Spital verlegen, doch dafür müssten erst die rechtlichen Grundlagen geprüft werden.

Danke an dieser Stelle an alle Beteiligten, an die Verhandler und gleichzeitig aber auch der Appell an die politischen und anderweitig verantwortlichen Entscheidungsträger der KAGES und des Landes Steiermark, das Mariazeller Land diesbezüglich nicht „links liegen“ zu lassen oder gar zu ignorieren! „Vorerst für Oktober“ ist wohl keine wirklich zufriedenstellende Lösung!

 

Bericht und Fotos:

Mariazell Online

 

 

 

8 Antworten

  1. Dr. Jungl Norbert sagt:

    Tja, mittlerweile ist mehr als ein halbes Jahr vergangen, der Dienstplan ist Monat für Monat ausgefüllt, gute Patientenzahlen (für unsere Verhältnisse), die Dienste in der AEE haben mir gefallen (toller Kontakt mit den Super-Ärzten die verlässlich den Dienstplan ausfüllen….), auch als Notarzt arbeite ich wieder gerne…….MÖGE ES SO BLEIBEN !!!!!

  2. Alexander Moser sagt:

    Wenn eine AEE aufrecht erhalten bleiben soll, dann müsste sie auch personell und apparativ adequat ausgestattet sein. Das war nie der Fall. So konnte diese bisherige AEE schon bis jetzt nie die medizinischen Bedürfnisse der Patienten abdecken.

    Die Zeiten und die Medizin haben sich geändert, gewaltig geändert. Es gilt, nicht den guten alten Zeiten nachzutrauern sondern für die Zukunft Lösungen zu finden:
    Eine AEE ist nur ein Teilproblem und wird immer eine Krücke bleiben. Die einzige langfristig sinnvolle Lösung kann nur eine optimale und schnelle Anbindung des Mariazeller Landes an den obersteirischen Zentralraum Kapfenberg-Bruck sein, wie es eine leistungsfähige Straße durch den Seeberg und Pogusch und auch hinaus nach St. Pölten sein könnte. Patienten wären in 30 Minuten im Schwerpunktkrankenhaus, für Pendler und Schüler würden keine „Tagesreisen“ notwendig sein, sie könnten rasch hinaus und auch wieder heim kommen. Die Touristen und Schifahrer auch.

    Nur so kann das Mariazeller Land langfristig attraktiv für bisherige und auch neue Bewohner und Betriebe bleiben. Hätte man schon früher gehandelt, wäre wohl auch das Europeum nicht untergegangen.

    Ich verweise auf Beiträge auf „Woche online“.

    • Dr. Jungl Norbert sagt:

      Genau dies wurde schon Herrn Landesrat Hirschmann im Schwarzen Adler im Jahre 1990 (!!!!!!!) vorgetragen.

      Nach NIEDERÖSTERREICH müsste man sich anbinden, die Steiermark (so lieb und freundlich sie auch sein mag…….) muß man leider vergessen, sie ist zu arm.

  3. giwe sagt:

    Einer Facebook-Meldung von BGM Josef Kuss zufolge lassen die Verhandlungsergebnisse doch vorsichtigen Optimismus aufkeimen:

    „Gutes Gespräch mit dem Landesrat und dem Vorstandsvorsitzenden.
    Die Schließung der Ambulanz ist vom Tisch. Die Primäre Erstversorgung 24 Stunden an 7 Tagen ist sicherzustellen. Das ist der klare Auftrag von Landesrat Christopher Drexler. Danke an Dr. Walter Surböck für die beeindruckende Ausarbeitung und Präsentation des Lösungsvorschlages für die Region!“

  4. Demmerer Josef sagt:

    Zum Thema : Längere Zeit im Brennpunkt der Berichterstattung!

    Unser Kampf begann am 5.Oktober 1989 mit der Bürgerversammlung im
    Pfarrsaal Mariazell.( bei ca 800 Anwesenden )
    Damals wie Heute trifft es die Bevölkerung von Wildalpen bis Annaberg!

    25 Jahre sind genug!!

    • Dr. Jungl Norbert sagt:

      Ja, Herr Demmerer, ich kann Ihre Wortmeldung nur bestätigen. Der Film von Kurt Totzer auf Initiative von Ihnen und Prim. Linhart, die Veranstaltung mit Landesrat Hirschmann mit all den Wortmeldungen im vollen Saal, die Gespräche mit Prof. Möse, LR Steiner, mit dem hochgeschätzten Pater Dr. Veremund Hochreiter, dem „Freund von Mariazell“ Kardinal König…….
      Das sind nur einige Beispiele all der Bemühungen, sodaß ich der Meinung bin daß niemand behaupten kann, „die Mariazeller haben sich nicht gekümmert“

      Ich persönlich bin – trotz Pensionistenstatus – bereit, wieder Dienste zu machen. Mariazell ist zu wichtig ;-)

  5. Dr. Hugo Gold sagt:

    wenn ich dran denke, dass Prim. Dr. Hugo Gold, mein urgroßvater dieses KH gegründet hat!

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