Sozialpsychiatrisches Hilfsangebot

Eine Verbesserung ist in Sicht.

Im Jahr 2006 nahmen 35 KlientInnen aus dem Mariazeller Land das sozialpsychiatrische Hilfsangebot des Beratungszentrums in Kapfenberg in Anspruch. Leiterin Sonja Förstner: „Der Bedarf in der Bevölkerung ist sicher höher. Viele wissen noch nicht, dass sie seit der Erneuerung des Behindertengesetzes einen rechtlichen Anspruch auf Hilfeleistungen haben.“ Seitdem bietet das Beratungszentrum im Bezirk Bruck die „Mobile sozialpsychiatrische Betreuung“ an, die für die KlientInnen kostenlos und anonym ist.

Die Betreuerinnen besuchen psychisch Erkrankte zu Hause und unterstützen sie darin, ein eigenständiges Leben zu führen. Der Mobile Dienst ist Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr unter der Tel. 03862/24 9 20 bzw. per Mail: mob.kapfenberg@gmx.at erreichbar.

Und so wird meine Seele gesund
Psychisch Kranke sind im Mariazeller Land mit einer Vielzahl an Schwierigkeiten konfrontiert. Eine Verbesserung ist in Sicht.

Wer kennt sie nicht, diese Tage, an denen wir schlecht drauf sind, uns traurig und melancholisch fühlen und das Bett am liebsten nicht verlassen möchten. Diese seelischen Verstimmungen, die einige Tage andauern können, gehören zum Menschsein in seinen vielschichtigen Facetten. Findet man jedoch keinen Weg aus diesen „Tiefs“, kann es in der Folge zu einer ernsthaften psychischen Erkrankung kommen.

Gerade im ländlichen Raum ist es für Betroffene häufig eine unüberwindbare Hürde, professionelle Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Für den Besuch beim Psychotherapeuten und Neurologen bleibt oft nur der beschwerliche Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Zwischen 8 und 15 Uhr gibt es keine Busverbindung nach Kapfenberg. Elisabeth K. (Name geändert) aus Mariazell zu Ihrer Situation: „Hier gibt es keine psychotherapeutische Betreuung für mich. Vorm Busfahren fürchte ich mich. Schlimm ist auch, dass einer hier jeder kennt und man mit vielen Vorurteilen konfrontiert ist.“

Die Statistik
Psychische Erkrankungen werden in der Gesellschaft tabuisiert, obwohl sie eigentlich kaum mehr zu übersehen sind. Studien belegen, dass jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal psychisch erkrankt. Zu den häufigsten Krankheitsbildern gehören Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen, schizophrene Erkrankungen und Demenz. Ein oft qualvoller Weg beginnt. Krankenhausaufenthalte, der Verlust der Arbeitsfähigkeit, Stigmatisierung und Diskriminierung durch das soziale Umfeld erhöhen das Leid der Betroffenen zusätzlich.

Nicht selten endet eine psychische Erkrankung mit Selbstmord. Laut Statistik Austria gab es im Jahr 2005 über 900 Verkehrstote, durch Suizid kamen 1400 Menschen ums Leben.

Strukturelle Probleme
Dr. Klaus Huemer, Allgemeinmediziner in Mariazell, sieht die Schwierigkeit vor allem in der „Zentralisierung von Fachärzten in den Städten“. Huemer weiter: „Wir sind eine touristische Gegend, die Versorgung der Bevölkerung mit psychosozialen Diensten erfolgt nur sehr sporadisch.“

In Krisensituationen müssen Betroffene mit der Rettung nach Bruck oder Graz gebracht werden. Hoffnung kann dennoch geschöpft werden. Das Regionalparlament Mariazeller Land befindet sich derzeit in der Planung eines Ärztezentrums, wo tageweise auch Fachärzte ordinieren sollen. Ein Stolperstein dabei ist, dass ein in Niederösterreich ansässiger Arzt nicht in der Steiermark (und umgekehrt) praktizieren darf.

Um das „kraftvolle Zubeißen“ brauchen sich die MariazellerInnen hingegen keine Sorgen zu machen, gibt es doch gleich drei Zahnärzte im Ort.

 

Bericht „Obersteirer“