Das Land ergreift das Ruder

Europeum Mariazell

 

Das selbst ernannte Flaggschiff im hochstrebenden Kongresstourismus im Mariazellerland, das Europeum, ist ins Trudeln geraten. Jetzt greift das Land regulierend ein und übernimmt das Ruder innerhalb der Gesellschaft. Der Anlass für das Eingreifen des Landes hängt mit dem Ausbleiben der Buchungen zusammen – keine Gäste, kein Geld. Der Schuldenstand wird mit rund sieben Millionen Euro beziffert. Das Land Steiermark wird laut einstimmigen Regierungsbeschluss der Vorwoche 75 Prozent der Gesellschafteranteile am Mariazeller Europeum erwerben und sich so aktiv an der künftigen Entwicklung des Europeums beteiligen. Das Land bringt 1,5 Millionen Euro in die Gesellschaft ein, um schnell für Zahlungsfähigkeit der Europeum-Gesellschaft zu sorgen. Das Stammkapital wird auf 140.000 Euro aufgestockt; bisher waren es 35.000 Euro.

 

Neue Führung kommt
Das Europeum erhält auch einen siebenköpfigen Aufsichtsrat unter der Führung des Wirtschaftsprüfers Friedrich Möstl. Fünf der sieben Aufsichtsräte werden vom Land Steiermark gestellt. Es kommt auch ein neuer Geschäftsführer. Die Position wird ausgeschrieben. Derzeit wurde vom Land ein interimistischer Geschäftsführer eingesetzt.

 

Gemeinden schulden um
Die vier am Europeum beteiligten Gemeinden müssen ihre Darlehen umschulden – insgesamt sind es 3,5 Millionen Euro, die in gemeindeeigene Darlehen umgewandelt werden müssen. Dazu sind Gemeinderatsbeschlüsse notwendig. Die neue Gesellschafterregelung soll bereits ab Montag, 9. November, gültig sein.

Gemeinsamer Antrag
Landeshauptmann Franz Voves und Hermann Schützenhöfer haben gemeinsam den Antrag für den Erwerb der Europeum-Anteile eingebracht. Michael Schickhofer vom Büro Landeshauptmann Voves wird einer der Aufsichtsräte sein: „Durch die eingesetzten Fördergelder hat das Land auch eine Verpflichtung übernommen. Die Betriebsführung muss professioneller werden.“ Ergänzend heißt es aus dem Büro Schützenhöfer (ÖVP): „Ziel ist es, die Marke ,Europeum‘ langfristig abzusichern. Bisher wurde ein Zukunftskonzept vermisst.

 

Vier Gemeinden beteiligt
Die „Mariazeller Europeum GmbH“ ist eine Gesellschaft mit kleinregionalem Entwicklungscharakter. Das Europeum gehörte bisher zu 100 Prozent den Gemeinden Mariazell, St. Sebastian, Gußwerk und Halltal. Künftig sind die Gemeinden nur noch mit 25 Prozent beteiligt. Das 2008 fertiggestellte Europeum kostete 13,5 Millionen Euro. Acht Millionen Euro kamen vom Land Steiermark.