Emilia liegt auf ihrem Bett und weint. Das trübe, nebelige Wetter passt ausgezeichnet zu ihrer Stimmung. Heute Morgen hat sie sich zum ersten Mal mit ihrer Freundin Anna gestritten. Nun fragt sich Emilia, ob sie noch immer Freundinnen sind. Da kommt Oma ins Zimmer. Sie nimmt Emilia in den Arm und lässt sich die ganze Geschichte erzählen. „Schade, dass heute noch nicht der 21. ist“, sagt Oma nachdenklich. Emilia schaut sie irritiert an.

„Am 21. Dezember ist die erste Rauhnacht und sie beginnt mit einem besonderen Ritual“, erklärt Oma. „Vor Einbruch der Dunkelheit streut man Weihrauchkörner auf eine Pfanne voller Glut. Damit geht man durch Haus und Hof und spricht Gebete, um Geister und Dämonen fernzuhalten und alles unter Gottes Schutz zu stellen.“ „Aber es gibt doch gar keine Geister und Dämonen“, widerspricht Emilia. „Und was hat dieser Brauch denn mit meinem Streit mit Anna zu tun?“„Natürlich gibt es keine leibhaftigen Geister und Dämonen. Damit sind Dinge gemeint, die uns nicht guttun. So, wie beispielsweise trübe Gedanken.“ „Dann lass uns dieses Ritual machen und die Traurigkeit verscheuchen. Auch wenn heute noch keine Rauhnacht ist“, bittet Emilia.

Oma ist sofort einverstanden. Kurze Zeit später gehen Oma und Emilia mit einer glühenden Pfanne durch Haus und Hof und erleuchten die Dunkelheit. Es ist wunderschön, fast magisch. Der dampfende Weihrauch vertreibt tatsächlich Emilias trübe Gedanken. Mit einem Mal hat sie wieder Hoffnung. Morgen wird sie sich mit Anna vertragen. Da ist sie sich nun ganz sicher.

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