Mit schnellen Schritten stapft Emilia durch den knirschenden Schnee. Sie hat es eilig, denn ihr Keramikkurs beginnt in fünf Minuten. Schwungvoll biegt sie um die Ecke. So schwungvoll, dass sie mit Frau Gruber, einer netten, älteren Frau aus ihrer Straße, zusammenstößt. Vor Schreck lässt diese ihren Einkaufskorb fallen. Brot, Käse, Kartoffeln, Orangen – alles rollt über den Boden und bleibt schließlich im Schnee liegen.

„Oh, das tut mir leid! Entschuldigung!“ Emilia bückt sich und legt flink die Einkäufe wieder in den Korb. Frau Gruber scheint von alledem wenig mitzubekommen. Stumm nimmt sie den gefüllten Einkaufskorb entgegen und verabschiedet sich schnell. Sie sieht heute sehr traurig aus. „Die Adventzeit ist bestimmt nicht leicht für sie“, denkt Emilia. Seit Frau Grubers Mann vor einigen Jahren gestorben ist, lebt sie allein in ihrer Wohnung. Kinder hat sie keine. „Ob es jemanden gibt, der sie an Heiligabend besucht?“ Bei diesem Gedanken wird Emilia ganz unglücklich. Weihnachten ist doch das Fest der Liebe. Wie muss es sein, wenn man da ganz allein ist?

Da beschließt Emilia, etwas für Frau Gruber zu tun. Gleich jetzt in ihrem Keramikkurs. Dort wird sie eine Vase töpfern. Und an Heiligabend wird sie bei Frau Gruber klingeln und ihr die Vase schenken. Es ist vielleicht nicht viel, was sie tun kann. Aber Emilia ist sich sicher, dass Frau Gruber sich darüber freuen wird.

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