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Ein bewegtes Jesulein
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Die mechanische Krippe unweit der Basilika von Mariazell ist mehr als nur ein elektrifiziertes Krippenspiel
oder ein orientalisches Geburtsspektakel. |
Der Hirte am Hirtenfeld bei Bethlehem hält Ausschau nach dem Stern, der die Geburt Jesu anzeigt. |
| Sanft wiegt Maria ihr Kind in ihrem Schoß. Und Josef, der neben ihr steht, neigt sich voll Demut über
das kleine, in Windeln gewickelte Jesukind.
Ein Weilchen schaut er hinunter auf das friedlich, sich gleichförmig bewegende Paar von Mutter
und Kind. Dann richtet er sich auf und hält inne – gerade so, als wolle er darüber nachdenken,
was denn dieses Kind auch für ihn bedeute.
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| Die Krippe bewirkt bei vielen Besuchern religiöse Gefühle |
Dieses Kind, dessen Vaterschaft er zunächst nicht annehmen wollte, von dem der Engel Gabriel aber
verheißungsvoll gesagt hat: "Seine Herrschaft wird kein Ende haben."
Wenn Josef nun eine Antwort gefunden zu haben scheint, schaut er wieder hinunter, schaut nach, ob alles in Ordnung
ist, hebt erneut seinen Kopf und denkt wieder nach. Fragen hat dieser Jesus uns ja genug aufgegeben.
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| Bruno Habertheuer... |
18 Quadratmeter Orient
Das Wiegen des Kindls und auch die huldvolle Verneigung des Vaters haben die etwa zwölf Zentimeter großen
Figuren in der mechanischen Krippe am Mariazeller Kalvarienberg unweit der Basilika einem Mann zu verdanken,
Bruno Habertheuer. Er hat den Figuren Leben eingehaucht. Mechanisch, mit einem 0,75 PS-380-Volt-Motor, aber
nicht gleichförmig. Unterschiedlich geformte Kurvenscheiben, über die der Antrieb läuft, ermöglichen
Bewegungen, die dem Charakter der einzelnen Figuren entsprechen: So hebt der Hirte behutsam seinen Arm gegen
Himmel, um sein Auge vor dem gleißenden Licht des Sterns zu schützen, der über dem Stall steht
und den Ort der göttlichen Geburt anzeigt.

...und seine Werkstatt
Heftig agieren hingegen andere Figuren: etwa der Soldat, der immer wieder die Geißel hebt, um auf Jesus
einzuschlagen. Oder Judas, der freudig den Geldsack hochhält, um in dem Augenblick, in dem er seinen Verrat
begreift, seinen Blick zu senken.

Mit heftigen Bewegungen geißelt der Soldat Jesus
Zur Erklärung: Das, was als "mechanische Krippe von Mariazell" bezeichnet wird, ist weit mehr als
nur eine Geburtsdarstellung. Es ist eine Leben-Jesu-Erz&aumL;hlung, in der mit 98 Figuren und 40 Tieren Leben,
Tod und Auferstehung gezeigt werden.

In kurzen Abständen gehen die Schläge beim
Aufsetzen der Dornenkrone nieder
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| Alltagsleben vor dem Stall, in dem Jesu geboren wurde |
Ohne Bewegung: Jesus am Kreuz und die Schächer |
Dass eine ältere Besucherin die Szene, in der Maria auf dem Esel sitzt, der von Josef am Halfter geführt
wird, nicht als die Flucht nach Ägypten erkennt, liegt wohl nur an deren Unkenntnis der Bibel. Diese zu
kennen ist aber von Vorteil, denn Habertheuer hat seine 18 Quadrat Meter große Krippenlandschaft mit vielen
historischen Details aus dem irdischen Jerusalem versehen. Dass er überhaupt eine orientalische und nicht eine
alpenländische Krippe gebaut hat, liegt an der "Faszination, die das Heilige Land ausübt".
Was fasziniert, bedarf wertvoller Materialien: Deswegen sind die Palmenblätter aus jenem Leder gefertigt,
das auch für Ferrari-Sitzbezüge Verwendung findet.
Angefangen hat Habertheuer seine Krippe 1950. Und zwar mit dem Plan, sie sieben Jahre später, "gerade
rechtzeitig zum 800-Jahre-Jubiläum von Mariazell" fertig zu haben. "Da habe ich mich aber ziemlich
getäuscht!" Schlussendlich hat er 18 Jahre an der biblischen Landschaft gearbeitet. "Ich war
detailverliebt. Allein für eine Ziegelwand eines Gebäudes habe ich 300 Ziegel in einem Blumentopf im
Küchenherd gebrannt und dann mit Hilfe einer Pinzette aufgemauert."
Man kann die Krippe minimalistisch sehen: wie eine elektrische Eisenbahn. Nur dass es hier statt der Bahnhöfe
den Tempel und Golgotha gibt. "Das tun aber die wenigsten", sagt Habertheuer, der in 50 Messner-Jahren
in der Basilika gelernt hat, Gläubige von Gaffern zu unterscheiden. "Die meisten kommen und werden
still. Die Weiberleit´ beten, die Männer ziehen den Hut." So lebendig scheint die Krippe also zu
sein, dass sie religiöse Gefühle weckt. Ein Kompliment an den Erbauer.
INFO:
Mechanische Krippe in Mariazell
Kalvarienberg 1
Tel.: (03882) 2108
Öffnungszeiten: Täglich außer Dienstag.
Eintritt: 0,80/1,10 Euro
Fotos: Markus Leodolter
Text: Wolfgang Sotill, Kleine Zeitung
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