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Immer mehr Wallfahrer pilgern zu Fuß zur Mariazeller Gnadenmutter

Die Wallfahrt in Mariazell erlebt einen Boom. An manchen Wochenenden werden mehr als 30 Messen an fünf Stellen der Basilika gelesen....

Der Mariazeller Pater Superior Karl Schauer kann nicht abschätzen, wie viele Wallfahrer jährlich in die Basilika kommen: "Es hat niemand ein Etikett, und sehr viele kommen unangemeldet. Aber eine Million ist sicherlich zu tief gegriffen."

Ein Trend ist für Pater Karl unübersehbar: Die Zahl der Fußwallfahrer nimmt ständig zu. Das reicht von Retz an der tschechischen Grenze bis nach Diex in Kärnten. Die Retzer sind sieben Tage unterwegs, die Kärntner noch einen Tag länger. Besonders viele Gruppen kommen aus dem Burgenland zu Fuß, aber auch Wallfahrer aus Niederösterreich, Wien und in letzter Zeit aus Oberösterreich nehmen den langen Marsch in Angriff.

Der Seeberg ist nach wie vor eine Hürde, dennoch kommen auch aus der Steiermark zahlreiche Gruppen, etwa aus Graz, Knittelfeld und dem Hartberger Raum. Auch die Brucker Wallfahrt hat bereits Tradition, und erstmals kam heuer eine Gruppe aus der Breitenau mit Pferden zur Magna Mater Austriae.

Für das Bendiktiner-Superioriat bedeutet das auch viel organisatorische Arbeit: "An einem Wochenende sind oft 30 Messen und mehr zu lesen, und das in mehreren Sprachen." Sechs Priester stehen in Mariazell dafür zur Verfügung, in der Hochsaison sind es doppelt so viele. Vielfach werden die Gruppen auch von ihren Seelsorgern begleitet.

Laut Pater Karl herrscht eine enorme Vielfalt unter den Wallfahrern. Im Frühjahr kommen andere Leute als im Sommer, und jede Region hat ihre Wallfahrts-Traditionen. Und: "Die Wallfahrt ist ein Spiegelbild der Gesellschaft - und auch der Wirtschaft." So kommen aus Deutschland seit Beginn der Wirtschaftskrise deutlich weniger Gruppen. Dafür gibt's nun wieder mehr US-Amerikaner, die nach dem Anschlag am 11. September 2001 völlig ausgeblieben sind.

Ob der Boom aus den osteuropäischen Ländern noch so groß ist wie nach der Öffnung, wagt Karl Schauer nicht zu bestätigen: "Auf alle Fälle hat sich das normalisiert, und diese Gäste fallen nicht mehr auf." Diese Wallfahrer können sich übrigens laut Pater Karl inzwischen auch mehr leisten. Sie würden auch nächtigen und etwas konsumieren und nicht wie anfangs im Bus die mitgebrachte Jause verzehren.

Der August ist der stärkste Monat, heuer wirkt sich auch bereits der Katholikentag 2004 aus - in höheren Besucherzahlen als sonst. Wie viele werden im nächsten Jahr kommen? Schauer: "Da kann ich beim besten Willen keine Prognose abgeben."

Mehr als 50 Wallfahrergruppen haben sich allein im September in Mariazell angemeldet - darunter zwei Bauern-Wallfahrten.

Nach den steirischen Bauern eine Woche zuvor veranstalteten am Wochenende die niederösterreichischen Bauern ihre traditionelle Wallfahrt. An die 3000 Bauern waren gekommen. Seit 55 Jahren machen sich die Niederösterreicher am zweiten Wochenende im September auf den Weg zur Magna Mater, die steirische Bauern-Wallfahrt hingegen wurde erst zum dritten Mal durchgeführt.

Gemeinsam ist den bäuerlichen Abordnungen, dass sie Wallfahrt wörtlich nehmen: Fast alle fahren mit Pkw oder Bussen, nur wenige bewältigen wenigstens die letzten Kilometer zu Fuß. "Zeit für a paar Tage zum Gehen hamma nicht", rechtfertigt sich einer der Steirer für alle seines Berufsstandes. Dem Herrgott Danke sagen und den Segen fürs nächste Jahr erbitten, das wollen alle. Dass man das gemeinsam macht und dabei auch miteinander reden kann, ist für viele auch ein Grund, dabei zu sein. Das Bittschön, so erzählt eine ältere Bäuerin, gelte ihrer Familie, dass sie gesund bleibt und dass der Hoferbe eine Frau findet. Eine andere ermahnt sich selber, auf keinen Fall auf die Mitbringsel für die Enkerl zu vergessen.

"Wir beten für alle", meint dann einer diplomatisch, "und ganz besonders für jene, die den Heiligen Geist ganz besonders nötig haben."

Ein Sommer mit vielen Wallfahrern ist zu Ende gegangen. Der Bürgermeister von Mariazell, Helmut Pertl, in einem kurzen Statement wer den am meisten von dem Boom profitiert:

PERTL: Mariazell ist seit Jahrzehnten ein Ort, der rein auf den Tourimus und die Wallfahrt ausgerichtet ist. Deshalb profitiert die ganze Stadt.

Bleiben diese Gäste auch im Ort und beeinflussen sie die Nächtigungszahlen?

PERTL: Hauptsächlich handelt es sich bei unseren Gästen, die als Wallfahrer kommen, um Tagestouristen. Das hat die zunehmende Motorisierung mit sich gebracht. Früher war es einfach nicht möglich, wieder heimzufahren, wenn man von weit her gekommen ist. Durch bessere Verkehrsmöglichkeiten ist auch die Aufenthaltsdauer bei uns kürzer geworden.

Die Entwicklung der Nächtigungszahlen ?

PERTL: Stagnierend bis hin zu einem leichten Minus.

Ist da nicht das erneute Zunehmen der Fußwallfahrt eine Chance?

PERTL: Man kann sagen, die Fußwallfahrt boomt richtig. Teilweise bleiben die Leute zwar da, teilweise werden sie aber auch abgeholt. Wir haben schon sehr viel gemacht, um die Leute dazuhalten und haben auch schöne Ausflugsziele wie den Erlaufsee, mit denen wir die Menschen ansprechen können. Wir werden dementsprechende Angebote schnüren, um die Leute zum Dableiben zu motivieren.

Eine Million Wallfahrer im Jahr bedeuten sicher auch erhöhte Anforderungen an die Gemeinde.

PERTL: Wir richten uns einfach nach den Ansprüchen unserer Gäste. Mariazell hat sehr viel investiert, von neuen Parkflächen bis zu öffentlichen Toiletteanlagen.

Pilgern soll zum Erlebnis werden.

Die Pilgerwege zur Magna Mater Austriae in Mariazell in der Steiermark sollen ausgebaut und attraktiviert werden. Das ist das Ziel eines übergreifenden Projekts, für das laut Infrastrukturreferent LHStv. Leopold Schöggl 1,6 Mio. Euro bereitgestellt werden, die von Land, Regionen und EU kommen.

Nun wird sich einmal Andreas Steininger, Projektbetreuer des EU-Projektes "Region der Wege" des Mürztales und des Mariazellerlandes, auf die Socken machen: Sämtliche Pilgerwege wird er abgehen und digitalisieren, damit man sie am Ende beschildern kann. Aber das ist nur ein Teil der Arbeit an einem regionsübergreifenden Pilgerwegeprojekt.

Vorerst gehören Gemeinden und Regionen für das Vorhaben unter einen Hut gebracht. Und zwar in den beteiligten Regionen Teichalm-Sommeralm, Mariazellerland-Mürztal, Joglland und in der Ost- und Südoststeiermark.

"Pilgern ist ein wichtiges Thema", sagte dazu Günther Steininger, Geschäftsführer der ARGE Mariazellerland-Mürztal, bei der Projektvorstellung in Kapfenberg. So hat etwa Mariazell rund eine Million Wallfahrer im Jahr, die Fußwallfahrt ist stark im Kommen.

Für den Infrastruktur-Landesrat Leopold Schöggl (FPÖ) soll auf den Pilgerrouten "nicht nur das seelisch-religiöse" geboten werden, "sondern auch das Erlebnis". Den teilnehmenden Regionen und Gemeinden stellte Schöggl gleich die Rute ins Fenster: "Viele Projekte scheitern an der mangelnden Bereitschaft zu teilen. Teilen muss bei diesem Vorhaben aber sein." Was heißt: Man arbeitet zusammen, investiert Kraft, Geld und Ideen in das Pilgerprojekt. Dafür gibt es einen einheitlichen Werbeauftritt und die Aussicht auf erhöhte touristische Frequenzen. Schöggl: "Dazu muss man sich vom Kirchturmdenken verabschieden." Im Rahmen des Pilgerwegeprojektes möchte man "Highlights" (Güünther Steininger) anbieten: etwa einen alpinen Wallfahrtsweg vom Grazer Bergland über den Hochlantsch und den Hochschwab nach Mariazell.

Die Gesamtkosten des Projektes: 1,6 Millionen Euro. Gefördert wird aus den EU-Töpfen Leader Plus und Interreg IIIA, wobei das Land 314.000 Euro zuschießt, die EU 551.000 Euro. Vorbild soll der spanische Jakobsweg sein. "Aber wir bringen mehr Buntheit zusammen", sagte Gerwald Hierzi vom Tourismusregionalverband Oststeiermark. Schließlich gebe es viele Ideen in den Orten. "Und unsere Wege führen von der Südsteiermark bis ins Alpingeläände."

Weitere Informationen über den Wallfahrtsboom.

Pilgerwege nach Mariazell

Bericht "Kleine"


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Zuletzt geändert am 04.10.2007