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Wahlkampf in Mariazell im vollen Gange |
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Mit zahlreichen Veranstaltungen und Diskussionen geht der Wahlkampf in Mariazell nun in die "heiße Phase". Nach 20 Jahren unter ÖVP-Bürgermeister Helmut Pertl bleibt nach der Gemeinderatswahl 2010 in Mariazell wohl kein Stein auf dem anderen. Das politische Interesse in der Bevölkerung ist dabei so hoch wie selten zuvor.
Am 4. März hat der amtierende Bürgermeister KomRat Helmut Pertl im
Rahmen einer Veranstaltung mit dem Titel "20 Jahre miteinander" im
Raiffeisensaal einen eindrucksvollen Rückblick auf die bedeutendsten
kommunalen Ereignisse der letzten zwei Jahrzehnte dargebracht. In seiner
Rede fanden sich Schilderungen von persönlichen Eindrücken und
bewegenden Momenten und Dankesworte an all jene, die in diesen 20 Jahren
mitgeholfen haben, Mariazell zu dem zu machen was es heute ist.
Anlässlich dieser Veranstaltung stellte Pertl auch seinen Nachfolger als
ÖVP-Spitzenkandidat für die kommende Wahl vor - den Fotografenmeister
Josef Kuss, der sich somit für die derzeitige Mehrheitspartei ÖVP um das
Bürgermeisteramt bewirbt. Mit der symbolischen Übergabe einer Staffel
wünschte Pertl seinem Nachfolger und dessen Team viel Glück und Erfolg.
Nach dem offiziellen Teil standen sowohl Pertl als auch Kuss und die
ÖVP-Kandidaten den rund 250 Anwesenden für Fragen zur Verfügung.
Der rege Zustrom allein zu dieser Veranstaltung zeigt, dass die
Bevölkerung an dieser Wahl besonders interessiert ist - und das kommt
auch nicht von ungefähr. Erstmals treten viele "Quereinsteiger" bei
einer Gemeinderatswahl an. Von den vier kandidierenden Parteien
präsentieren sich gleich drei mit einem neuen, quer eingestiegenem
Spitzenkandidaten - lediglich die FPÖ schickt als Einzige mit Bernhard Mikschovsky
einen derzeit bereits amtierenden Mandatar ins Rennen um den Bürgermeistersessel.
Bei einer Podiumsdiskussion mit den vier Spitzenkandidaten am 10. März
im Scherflersaal, initiiert von der Kleinen Zeitung und moderiert von
deren Redakteur Ulf Tomaschek, hatten Josef Kuss (ÖVP), Nino Contini
(SPÖ), Walter Surböck (Liste GFM) und Bernhard Mikschovsky (FPÖ) die
Gelegenheit, sich den Fragen des Moderators aber auch des Publikums zu
stellen. Auch hier waren wieder rund 300 Zuhörer anwesend, die sich die
Argumente der Kandidaten nicht entgehen lassen wollten.
In der rund zweieinhalbstündigen Diskussion hatten die Vier die
Gelegenheit, sich vorzustellen und ihre Motivation und Ziele für die
kommenden fünf Jahre zu präsentieren. Während die FPÖ die Öffentliche
Sicherheit, die Überwachung der Gemeindeausgaben (Macht braucht
Kontrolle, so Mikschovsky) und die Eindämmung der Bettelei durch
Straßenmusikanten als wichtigste Ziele für die kommenden fünf Jahre
sieht, sprach sich Contini für eine verbesserte Kommunikation zwischen
Bürger und Gemeinde ein und plädierte dafür, statt großer Ziele eher
kleinere und leichter leistbare Projekte zu verfolgen und anzustreben.
Surböck, der mit seiner Liste GFM erstmals antritt, setzt auf
Gemeinsamkeit und Meinungsfreiheit. Grundsätzlich sieht er jedes Projekt
als realisierbar, wenn nur genügend Leute dahinter stehen - die Frage
der Finanzierung solcher Ideen blieb dabei aber weitgehend
unbeantwortet. Weiters wünscht sich Surböck künftig geheime Abstimmungen
im Gemeinderat, um den Fraktionszwang zu verhindern. Das Credo von Kuss
hingegen ist "Klare Verhältnisse und keine Experimente". Mariazell steht
wie viele andere Gemeinden auch in den nächsten Jahren vor schwierigen
Aufgaben und großen Herausforderungen, die eine "starke Hand" in der
Gemeindestube erfordern. Sein Ziel ist, die begonnenen Projekte wie
beispielsweise Europeum und Fernwärme weiter voranzutreiben und
Mariazell in den kommenden fünf Jahren noch stärker als internationalen
Wallfahrts- und Tourismusort zu positionieren.
Dass sich aber auch in kleinen Orten der Ton verändert, je näher der
Wahltag rückt, war bei dieser Podiumsdiskussion ebenso zu bemerken.
Verschiedenste Seitenhiebe und Aussagen sorgten im Publikum teilweise
für Kopfschütteln und Verwunderung, aber auch für Applaus.
So meinte zum
Beispiel Contini, es sei an der Zeit, die Zweidrittelmehrheit der ÖVP zu
brechen, denn diese habe die SPÖ in den letzen Jahren viel zu oft
"niedergestimmt". Dass die meisten Abstimmungen bisher ohnehin immer
einstimmig ausgefallen waren, konnte er als Quereinsteiger natürlich
nicht wissen.
Die FPÖ sparte ebenso nicht mit Vorwürfen und
Anschuldigungen und warf beispielsweise Contini vor, jahrelang ausländische
Kennzeichentafeln am Auto gehabt zu haben und sich jetzt plötzlich als
"echter Mariazeller" darstellen zu wollen. Surböck nannte Ghandi und
Jesus als Vorbilder für Problemlösungen und auf den Vorwurf einer
"unrealistischen Denkweise" reagierte er mit den Worten "Wenn man will,
geht alles" und erzählte von seinem Gang über ein glühendes Kohlenfeld.
Für Schmunzeln sorgt hingegen Kuss. Auf die ihm indirekt vorgeworfene derzeit fehlende Bürgernähe
angesprochen meinte Kuss: "Ich werde täglich zu Fuß ins Amt gehen". Der
Moderator: "Ich wusste gar nicht, dass der Mariazeller Bürgermeister ein
Dienstauto hat". Darauf Kuss: "Ja, sogar eins mit roten Streifen..."
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zuletzt geändert am Donnerstag, 11. März 2010 |
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