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Mariazeller Technologiegespräche – 12. und 13. Jänner 2007

MOBILITÄT "Bewegung ist Leben"

Die achten Mariazeller Gespräche brachten ein dichtes von mehreren inhaltlichen High-Lights durchzogenes Programm. Ausgehend von den durch Landesrätin Edlinger-Ploder angeregten Kantischen Fragen nach dem Wissen, dem Handeln und dem Hoffen wurden drei wissenschaftlich und technologisch relevante Mobilitäts-Szenarien beleuchtet und erörtert. Letztlich mündete der Diskurs beim Wesen des Menschen an sich, dessen Vernunftfähigkeit als Treiber und Regulator den Einsatz seines Wissens für eine nachhaltige Entwicklung der weltweit zunehmenden Mobilität bestimmen wird.

Im ersten Teil der Veranstaltung, der sich mit Mobilität und Verkehr beschäftigte, wurde deutlich gezeigt, dass das Automobil im Personen- wie im Güterverkehr auch in Zukunft absolut unverzichtbar bleiben wird. Einerseits befriedigt es das persönliche Mobilitäts-Bedürfnis des Menschen nach wie vor am besten, andererseits stellen die technologischen Entwicklungen der Automobilindustrie einen enorm wichtigen Wirtschaftsfaktor dar.

Interessante Expertenaussage: die oft geforderte Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene ist mit der derzeit bestehenden Infrastruktur unmöglich! Darum müssen neue Technologien entwickelt werden, die helfen, Umweltbelastungen und Unfälle weiter zu reduzieren und die sicherstellen, dass das Verkehrsaufkommen in Zukunft weitgehend reibungslos ablaufen kann. Um diese Ziele zu erreichen, wird uns die Zukunft Effizienz steigernde Telematik- und neue, umweltfreundliche Antriebssysteme bringen.

Die Wertschöpfung verlagert sich in diesem Zusammenhang immer mehr von der Elektro- in die Elektronikindustrie, der Beruf des Mechatronikers wird bspw. immer wichtiger werden.

Die Rolle des Staates wird darin bestehen, geeignete rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, notwendige Forschungsimpulse zu setzen und die Errichtung geeigneter Infrastrukturen für die Anwendung der neuen Technologien zu unterstützen.

Der zweite Teil der Mariazeller Gespräche 2007 behandelte Mobilität im Zusammenhang mit Kommunikation. Sehr anschaulich wurden die Einsatzmöglichkeiten der Satellitennavigation und des Geodatenmanagements für Hilfseinsatzorganisationen erläutert. Marktabschätzungen prognostizieren für das Jahr 2020 bereits 2,5 Mrd. Nutzer im Galileo-Satellitennetzwerk, was bedeutet, dass weltraumgestützte Systeme einen enorm großen Beitrag zur Mobilität des Massenmarktes leisten werden.

Der Trend in der Kommunikation im Geschäftsleben führt uns zu einer wesentlich verbesserten und effizienteren Echtzeit-Kommunikation, sowie zur weiteren Verbreitung des mobilen Arbeitsplatzes.

Die Zukunft der Fahrzeugkommunikation geht hin zur Entwicklung Semiautonomer und Autonomer Systeme, die einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit und zum Komfort der Fahrzeugnutzer leisten können.

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt in der mobilen Kommunikation ist die Rechtssicherheit im e-business, wo sich die Rechtskundigen internationalen Herausforderungen stellen müssen, da es nach wie vor weitgehend rechtsfreie Räume und damit in Zusammenhang eine Reihe offener Fragen zu klären gilt.

Die Auswirkungen der zunehmenden Mobilität auf die Arbeitswelt wurden im dritten Veranstaltungsteil behandelt. Es gibt ehrgeizige Ziele innerhalb der EU, den europäischen Wissensraum attraktiver zu gestalten. Die Qualifikationsstruktur ist in Österreich im EU-Vergleich noch immer eher im hinteren Feld angesiedelt.

Aufgrund der starken Zunahme wissensbasierter Tätigkeiten entstehen große Probleme für Menschen, die aufgrund verschiedenster Umstände (Armut, Wohnortwechsel, etc.) nicht ausreichend am Wissensbildungsprozess teilnehmen können. Lebensbegleitendes Lernen sowie Zertifizierungs- und Akkreditierungsmöglichkeiten im Arbeitsprozess sind deshalb wichtige Ziele für die Zukunft.

Mit innovativen Unternehmen, die sich auf die Dienstleistungsbereitstellung konzentrieren und gut funktionierende Netzwerke mit ihren Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern bilden, wird die österreichische Volkswirtschaft eine erfolgreiche Zukunft haben.

Der vierte und letzte Teil der Veranstaltung beschäftigte sich mit ethischen Fragen im Zusammenhang mit Mobilität. Einerseits ist Mobilität ein Kennzeichen von Leben und bietet Entfaltungsmöglichkeiten des Menschseins. Andererseits besteht aber die Gefahr, dass Mobilität zum Selbstzweck erklärt wird bzw. dass sie sich selbst blockiert, wenn die Mobilität vieler Menschen unkoordiniert aufeinander trifft. Wichtig ist, sich die Frage nach den Zielen der Mobilität zu stellen und dann die geeigneten Mittel für die Zielerreichung zu wählen.

Auch das Problem des mangelnden Verantwortungsbewusstseins jedes einzelnen im Zusammenhang mit dem ständig steigenden Verkehrsaufkommen und seinen Folgen wurde erörtert. Nachhaltige Überlegungen müssen hier bei den Ursachen der Mobilitätsbedürfnisse ansetzen, um eine ökologische, inter- und intragenerativ sozial gerechte Wirtschaftsentwicklung zu gewährleisten.

Aus ethischer Sicht ist es zwar auch wichtig, neue Technologien zu entwickeln, die effizienter und damit Ressourcen- und Umwelt schonender funktionieren, der wichtigste Ansatzpunkt ist aber die Einschränkung des Transport-Bedarfs, sowohl beim Individual- als auch beim Güterverkehr.

Genau mit diesem Nachdenken über den eigenen Bedarf beschäftigt sich auch die Initiative „Autofasten“, bei der es darum geht, in der kommenden Fastenzeit so weit als möglich auf das Auto zu verzichten. Auch wenn ethische Betrachtungsweisen keine idealen Lösungen anbieten kann, bringt schon allein die Tatsache, dass man sich mit gewissen Fragestellungen verantwortungsvoll auseinandersetzt, einen erheblichen Mehrwert für eine Technologie orientierte Veranstaltung.

In der zum Abschluss geführten Podiumsdiskussion setzten sich die Referenten des „Ethik-Teils“ mit Referenten aus dem Teil „Mobilität und Verkehr“ zu ausgewählten Fragestellungen auseinander. Dabei wurde von der Industrieseite angemerkt, dass Ethik nicht nur fordern soll, sondern auch Lösungen anbieten muss. Man war sich aber einig, dass sämtliche neue Technologien nicht ausreichen werden, um die negativen Auswirkungen der Mobilität in den Griff zu bekommen, wenn nicht jeder Einzelne Verantwortung übernimmt, seinen eigenen Bedarf überprüft und in Folge dessen auch einschränkt.

Der Rückblick steht auch als PDF zum Download bereit!

Beiträge der MTG 2007

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